Seit 1879 Lebensmittelindustrie und Milchwirtschaft

Weniger Geschmack per Verordnung?

von | 16. Mai 2024

Zucker, Salz und Fett – unsere Geschmacksnerven lieben sie – sind unser Gehirn und Körper doch darauf getrimmt, nach dem Verzehr möglichst viele Glückshormone auszustoßen. Was sich viele Lebensmittelhersteller zu Nutze machen – Stichwort »guter Geschmack«, bereitet dem Bundesministerium für Ernährung wohl schon seit Jahren Kopfzerbrechen. Denn was in der Steinzeit wichtig fürs Überleben sein konnte, hat in unserer heutigen Überflussgesellschaft den Nachteil, dass es immer mehr Übergewichtige inklusive gesundheitlicher Folgeschäden, wie Diabetes oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen, gibt.
Dem Gesetzgeber ist es daher ein Anliegen, dass besonders Kinder und Jugendliche geschützt werden sollen.

Der Schlüssel bisher: freiwillige Reduktionsziele der Hersteller.
Mit der im Dezember 2018 verabschiedeten Nationalen Reduktions- und Innovationsstrategie für Zucker, Fette und Salz in Fertigprodukten (NRI) sollte eine ausgewogene Nährstoff- und Energieversorgung der Bevölkerung unterstützt und dadurch ein Beitrag zur Verringerung der Häufigkeit dieser Folgeerscheinungen geleistet werden. Hersteller konnten dabei bisher selbst entscheiden, wie die Reduktion aussehen soll; mit dem Vorteil, dass der gewohnte »alte« Geschmack mit neuen Rezepturen erreicht werden konnte. Keine Abstriche also für den Verbraucher und gewohnt gute Produkte.

Man wolle sich nicht in die Ernährung der Bürger einmischen, »so wenig wie möglich, so viel wie nötig«, heißt es in der Broschüre zum NIR so schön. Darüber wie viel wirklich nötig ist, scheiden sich allerdings nun die Geister. Der Lebensmittelverband findet die aktuelle Regelung ausreichend, der Bundesernährungsminister Özdemir hingegen nicht. Als möglichen Ausweg sieht Özdemir nur, bis Ende 2024 strengere Vorgaben für die Lebensmittelindustrie einzuführen.

Aber ist es wirklich im Sinne der Verbraucher, wenn das Lieblingsprodukt plötzlich nicht mehr so schmeckt wie gewohnt? Eine zu starke Veränderung im Geschmack wollen die meisten Produzenten deshalb aus gutem Grund vermeiden. Denn viele Verbraucher legen Wert darauf, dass sich ihre Lieblingsprodukte geschmacklich nicht verändern. Außerdem: Wie weit darf und sollte der Staat in die persönlichen Ernährungsgewohnheiten der Bürger eingreifen? Wäre es nicht besser, diese dahingehend mehr zu fördern und zu schulen, z.B. durch Bewegungsprogramme? Ernährung ist schließlich nur ein Teil, der zu einem gesunden Lebensstil gehört. Und vielleicht die wichtigste Frage: Sollte der Staat seinen Bürgern nicht ein wenig mehr zutrauen?

Stefanie Nusser
Redaktion
Deutsche Molkerei Zeitung

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