Seit 1879 Lebensmittelindustrie und Milchwirtschaft

Die Töne sind verstummt

von | 30. November 2022

Es herrscht Krisenstimmung beim börsennotierten Plantbased-Unternehmen Oatly. Die einst milliardenschweren Börsenbewertungen haben sich in Luft aufgelöst: Gegenüber den Höchstständen hat der Aktienkurs fast 95 % des Wertes verloren.

Laut Oatly-CEO Toni Petersson liegen die Ergebnisse im dritten Quartal unter den Erwartungen. Als Gründe werden Produktionsprobleme, Einschränkungen durch Covid-19 und Auswirkungen negativer Wechselkurse genannt. Das ganze Ausmaß der Misere haben jedoch die Geschäftszahlen für das dritte Quartal 2022 gezeigt: Der Fehlbetrag lag laut Neuer Züricher Zeitung (NZZ) bei rund der Hälfte des Umsatzes, zudem senkte das Unternehmen seine Jahresprognose.

Oatly zieht Konsequenzen und will laut Petersson 50 Mio. USD einsparen – unter anderem durch Personalabbau.

Zeigt der tiefe Fall von Oatly, dass der erste Hype um Milch auf Pflanzenbasis vorüber ist? Mitnichten: Es deutet einiges darauf hin, dass pflanzenbasierte Produkte nach wie vor ein Wachstumsmarkt bleiben werden – auch wenn die Wachstumsraten wohl nicht mehr so ausfallen werden wie in den vergangenen Jahren. Mitunter mag auch auch ein Grund sein, dass Umsätze im veganen Segment resp. Marktanteile sich neu verteilen. Immerhin drängten viele neue – oder altbekannte – Unternehmen auf den veganen Markt: Die Molkerei Müller etwa launchte viele vegane Joghurt- und Puddingalternativen und ist dabei in bester Gesellschaft. Denn auch Danone, Ehrmann und Bauer haben Produkte auf pflanzlicher Basis lanciert.

Molkereien wollten das Spielfeld nicht „branchenfremden“ Unternehmen überlassen.Das Ziel, die Wertschöpfung im eigenen Haus durch neue, vegane Sortimente zu behalten, scheint aufzugehen. So sind auch beim Schweizer Konzern Nestlé, der unter anderem mit der Marke Garden Gourmet ebenfalls stark auf „alternative Proteine“ setzt, die weltweiten Verkäufe auch in diesem Jahr zweistellig gewachsen.

Rückblick: Als im Mai 2021 Oatly an die New Yorker Börse ging, pries der Firmengründer zum selben Zeitpunkt sein Produkt, ganz Startup-gerecht, schräg singend in Werbespots an. Die Töne dürften mittlerweile verstummt sein.

Alexander Ströhlein
Chefredakteur Deutsche Molkerei Zeitung

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