Seit 1879 Lebensmittelindustrie und Milchwirtschaft

Der Kampf hat begonnen

von | 15. August 2022

In einer 2010 verabschiedeten Resolution der Vollversammlung der UN wurde das Recht auf Zugang zu sauberem Wasser als Menschenrecht anerkannt. Die UN geht davon aus, dass im Jahr 2040 die Süßwasservorkommen der Erde nur noch 70 % des Bedarfs decken werden. Wasser wird in einigen Regionen sehr knapp werden. Bereits heute bestehen Konflikte. Der Klimawandel und damit einhergehende trockene Sommer sowie die zunehmende Grundwasser-Verschmutzung werden den Prozess noch beschleunigen.

Auch und insbesondere der Ernährungsindustrie wird der kommende Wassermangel an die Substanz gehen. Fast 8 Mio. m3 Wasser nutzt etwa die DMK über alle Standorte verteilt. Dennoch gehört das Unternehmen zu den sparsamsten Verbrauchern: Je kg verarbeiteter Rohmilch kommt die DMK nach eigenen Angaben auf etwas mehr als 1 l Wasser.

Zum Vergleich: In einem T-Shirt stecken laut Studien bis zu 4.100 l Wasser, ein neues Auto schluckt rund 400.000 l. Auf diese Weise verbraucht jeder Deutsche wohl rund 4.000 l Wasser pro Tag. Dazu gehören der Wasserverbrauch wie Trinken oder Waschen genauso wie der Verbrauch bei der Herstellung von Produkten. Jeder von uns hinterlässt solch einen Wasser-„Fußabdruck“, je nachdem wie viel Wasser er persönlich verbraucht. Weil ein Großteil dieses verbrauchten Wassers nicht sichtbar ist, wird es auch „virtuelles Wasser“ genannt. Nach dieser Rechnung nehmen wir knapp 30 Vollbäder pro Tag – rein virtuell!

Stellen kurz- bis mittelfristige Engpässe bei Gas und Strom kleinere bis mittlere Katastrophen dar, geht es langfristig bei Wasserknappheit schlichtweg um die Existenz! Es braucht also Lösungen – lieber heute als morgen. Mit Hilfe der EU testet die DMK im niedersächsischen Edewecht, Wasser zu recyclen. Brüdenwasser landete bisher gereinigt in der angrenzenden Aue. Nach Filtern von biologischen Rückständen soll es Trinkwasserqualität erreichen und abermals in die Produktion fließen. DMK-Sprecher Oliver Bartelt sagte jüngst im Gespräch mit der Lebensmittelzeitung: „In unserem Werk in Holland ist diese Technik längst Alltag, nur in Deutschland brauchen wir dafür Pilotprojekte.“ Man könne so viel mehr tun, „aber hierzulande steht ein enormer Bürokratismus dahinter.“

Während die Mühlen also weiter mahlen, werden dagegen fleißig Golf- und Fußballplätze besprengt und die neueste Mode produziert – der Kampf ums Wasser hat gerade erst begonnen.

Alexander Ströhlein
Chefredakteur dmz

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