Seit 1879 Lebensmittelindustrie und Milchwirtschaft

Kommt der Energie-Lockdown?

von | 2. August 2022

Wirtschaftsminister Robert Habeck schwört Deutschland weiter aufs Energiesparen ein. Zwar fließt wieder Gas aus Russland durch die Pipeline Nord Stream 1 – aber nur ein Bruchteil dessen, was möglich wäre.

Habeck betitelte erst kürzlich (!) Russland als keinen verlässlichen Gas-Lieferanten. Darum verschärft der Minister die Vorsorge für den Winter und ruft zugleich neue Energiespar-Regeln aus. Außerdem wurden strengere Vorschriften für den Füllstand der Gasspeicher erlassen. Diskutiert wird zudem eine Gas-Einsparverordnung, um, wenn möglich, Gas aus dem Markt herauszunehmen.

Neben Aktivierung von Braunkohlereserven, Energie-Sparmaßnahmen für öffentliche Einrichtungen sowie Heizungs-Checks für Privathaushalte, steht auch die Wirtschaft im Fokus der Einsparpotenziale. Was man jedoch nicht vergessen darf: Energiekosten waren schon vor dem Ukraine-Krieg ein hoher Kostenfaktor in den Unternehmen; Optimierungen hinsichtlich Einsparungen trafen und treffen Entscheidungsträger in der Wirtschaft fortlaufend – hierfür braucht es keinen Aufruf aus Berlin.

Neben bestehender Verunsicherung in der Bevölkerung wäre nichts schlimmer als wenn zusätzlich noch Panik an leeren Supermarkt-Regalen aufgrund Produktionsunterbrechungen in Ernährungsbetrieben ausbrechen würde. Somit muss die Bundesnetzagentur endlich Prioritäten setzen!

Dr. Björn Börgermann, Geschäftsführer des Milchindustrieverbandes, zeigte sich im Gespräch mit agrarheute wenig optimistisch. Zwar habe es in er ersten Juliwoche einen runden Tisch mit Bundesnetzagentur und Bundeslandwirtschaftsministerium gegeben, wie die Ernährungswirtschaft im Falle eines russischen Gaslieferstopps bei der Gaszuteilung bedacht werden solle. Doch außer einem Austausch von Dringlichkeiten und Positionen sei nicht viel herausgekommen.

Laut Milchindustrie-Verband kann man nicht eindeutig sagen, welche Molkerei bei einem Gaslieferstopp weiter produzieren kann. Bei größeren Molkereistandorten mit einer installierten elektrischen Leistung ab 10 MW gab es bislang eine gezielte Abfrage, so Börgermann. Doch ob dieses Privileg zum Tragen komme, hänge auch davon ab, in welchem Gasnetz sich der Molkereistandort befindet. Weiter gab er auf agrarheute zu bedenken: Sollten am gleichen Netz geschützte Kunden wie regionale Krankenhäuser hängen, könne die Gasversorgung unter Umständen nicht garantiert werden. Grundsätzlich hätten Molkereien in größeren Netzen in dichtbesiedelten Regionen aber bessere Aussichten bei einem Gaslieferstopp mit weniger Einschränkungen produzieren zu können als solche in kleinen Netzen in der Peripherie Deutschlands.

Alexander Ströhlein
Chefredakteur dmz

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