Seit 1879 Lebensmittelindustrie und Milchwirtschaft

Lebensmittel-Ingenieurin will Schweizer Molke retten!

von | 1. März 2022

Nur gut, wenn es hierzu einen Plan B gibt, und möglicherweise haben Sie – verehrte Leser/innen – am 12. Februar die Sendung aus der Reihe „Plan B“ im ZDF verfolgt, die uns Aufschluss zumindest über klimaneutralen Käse liefern wollte. Oder war das Streitgespräch zwischen Kerstin Wriedt (Initiative Milch) und Jens Tuider (Pro Veg) in der Frankfurter Allgemeinen vom 16. Februar dann doch interessanter?

Wie schmal dabei der Grat einer objektiven Berichterstattung ist, zeigte der „Plan B“ sehr schnell im Hinblick auf die Nutzung von 1.3 Mio/t schweizerischer Molke, die nach dem Statement von Doris Erne (Lebensmittel-Ingenieurin und Gründerin der Fa. Wheycation) überwiegend als Futtermittel zum Einsatz kommt oder sogar entsorgt werden muss. Sie will die Schweizer Molke als Lebensmittel retten und bietet diese dann in ihrem Internetshop – proteinangereichert und „minimal verarbeitet“ – zum Preis von rund 71 EUR per kg an. Nur gut, dass wir es alle besser wissen und wer noch Zweifel hegt, der sieht sich einfach die Preisermittlung für Molkepulver in Lebensmittelqualität der Kemptener Börse an: Der Wert für Molkepulver beträgt am 16. Februar im Mittel 1.405 EUR per/t. Übrigens kostete 1 t Magermilchpulver Lebensmittelqualität im April 2018 1.400 EUR! Ohne hier weiter ins Detail gehen zu wollen… es hat aber doch sehr den Anschein, dass Molke mit seinen Bestandteilen nicht gerettet werden muss und heute als ein sehr wichtiger Rohstoff für die gesamte Lebensmittelindustrie bestens akzeptiert ist. Und das gilt sicherlich auch für die Milch, deren positives Image z.B. von der Süßwarenindustrie nur zu gerne genutzt wird, um deren Produkte ins rechte Licht zu rücken.

Allerdings lesen wir in der Frankfurter Allgemeinen, dass „Milch keinen guten Ruf mehr hat“. Wie Jens Tuider ausführt, ist es erklärtes Ziel, dass wir irgendwann keine Milch mehr von der Kuh trinken“ sollen. Den Bauern werden wichtige Aufgaben erhalten bleiben, dann allerdings nicht mehr mit der „Stallkuh“, sondern mit der „Stahlkuh“ zur Fermentation und Zellkultivierung. Einen ersten Schritt, den Belangen der Milcherzeuger besser gerecht zu werden, könnten wir aber alle gemeinsam sofort tun – wie Wriedt anmerkt –, indem wir der Milch und den Molkereiprodukten mehr Wertschätzung zukommen lassen. Ein Argument, dem wir uns sicherlich nicht widersetzen werden, das aber den Verbrauchern oft nur schwer zu vermitteln ist. Bei aller notwendiger Diskussion über innovative und nachhaltige Lösungen sollten wir im Blick behalten, dass auch eine künftige zellbasierte Herstellung von Milch bzw. von Milchbestandteilen nicht die wunderbare Brotvermehrung wäre, sondern auch hier bedarf es der Rohstoffe und damit verbleiben Nebenprodukte, die nicht einfach zu entsorgen sind. Darüber wird offensichtlich nicht gerne gesprochen und auch die Autoren von „Plan B“ haben es versäumt danach zu fragen.

Da verbleibt dem Autor dieser Zeilen nur eins: Sie am liebsten zu einem Glas Rivella einzuladen – natürlich aus der Schweiz und das schon seit über 70 Jahren!

Georg Herbertz
Herbertz Dairy Food Service

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