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Online-Portal – alles rund um die Lebensmittelindustrie und Milchwirtschaft

Russland ändert Lebensmittelkennzeichnung

In Russland wird es zukünftig Lebensmittel mit geregelten Angaben zur geographischen Herkunft geben. Ein entsprechendes Gesetz zur Förderung regionaler Marken ist von Präsident Wladimir Putin unterzeichnet worden und umgehend in Kraft getreten. Demnach kann ein Produkt eine geschützte geographische Herkunftsangabe verwenden, wenn dessen Herstellung oder Zusammensetzung wesentlich von der Region geprägt ist. Mitte Juli begann in Russland zudem ein bis Ende Februar 2020 laufendes Pilotprojekt zur Kennzeichnung von Milchprodukten mittels QR-Code. Diesen können die Hersteller und Importeure von Milch und Sahne, Kondensmilch, Joghurt, Kefir, Butter, Eis, Käse und Hüttenkäse in der Probephase freiwillig verwenden. Der QR-Code soll die Verbraucher vor dem Kauf abgelaufener Produkte schützen und ihnen die Möglichkeit bieten, Informationen über die Ware und den Hersteller mit einem Mobiltelefon einzuholen. Die verpflichtende Kennzeichnung von Milchprodukten soll in Russland nach Ablauf des Projekts am 1. März 2020 beginnen. Eine entsprechende Verordnung zur Aufnahme von Milcherzeugnissen in die Liste der kennzeichnungspflichtigen Waren ist von der Regierung bereits offiziell beschlossen. Die Kontrollsysteme sollen vor allem die Rückverfolgbarkeit der gekennzeichneten Produkte zum Hersteller ermöglichen. AgE

Milch überzeugt durch Kombination von Inhaltsstoffen

Milch kombiniert aktuellen Studien zufolge verschiedene Nährstoffe und bioaktive Faktoren so einzigartig miteinander, dass sie sich vorteilhaft auf die menschliche Gesundheit auswirken können. Wie das Landvolk Niedersachsen in Hannover erklärte, ist Milch wegen ihrer Gesamtzusammensetzung ein nicht zu ersetzendes Nahrungsmittel. Wissenschaftler bescheinigten den Milchprodukten einen größeren Effekt auf die Gesundheit, als ihn die Inhaltsstoffe in den Milchprodukten einzeln erzielen würden. Nach ihrer Einschätzung solle die Ernährungsberatung das Zusammenspiel der verschiedenen Inhaltsstoffe untereinander in verschiedenen Lebensmitteln noch stärker in den Vordergrund rücken. Auch das Max Rubner-Institut (MRI) in Karlsruhe empfehle den Verzehr von Milch und Milchprodukten, die eine elementare Rolle in den Ernährungsempfehlungen vieler Länder spielten. Außerdem sind Milchprodukte dem Landvolk zufolge ausgezeichnete Lieferanten von Kalzium sowie der Vitamine B2 und B12. Ferner enthielten sie hochwertiges Protein, Jod, Magnesium, Kalium und verschiedene Fettsäuren. In jüngster Vergangenheit seien Milch und Milchprodukte zwar häufig als Ursache für Krebserkrankungen genannt worden, so der Landesbauernverband. Diese Hypothese lasse sich aus wissenschaftlicher Sicht aber nicht belegen; lediglich das Risiko für Prostatakrebs könne sich durch eine zu hohe Kalziumzufuhr erhöhen. Kritisch seien Verzehrmengen von mehr als 1,5 mg Kalzium am Tag, was 1,25 l Milch oder 140 g Hartkäse entspreche. AgE

Moosbrugger fordert EU-weite Regeln für Lebensmittelkennzeichnung

Eine einfache, klare und verbindliche Kennzeichnung von Lebensmittelimitaten mit EU-weiter Gültigkeit hat der Präsident der Landwirtschaftskammer Österreich, Josef Moosbrugger, gefordert. „Die Konsumenten dürfen nicht hinters Licht geführt werden, indem ihnen beispielsweise industriell verarbeitete Fleisch-, Milch- oder Käseimitate als Naturprodukte angepriesen werden“, erklärte der Kammerpräsident in Wien. Deshalb spreche sich der landwirtschaftliche Berufsstand eindeutig gegen jede Irreführung der Kunden aus. Um ein solches „Fair Play am Lebensmittelmarkt“ durchzusetzen, brauche es rasch rechtliche Spielregeln für die Bezeichnung von Imitaten, forderte Moosbrugger. Da die Imitate aufgrund technisch-industrieller Fortschritte dem Original immer ähnlicher würden und somit die Irreführung immer wahrscheinlicher, müssten Original und Imitat klar erkennbar sein. So sollte es keine Anspielungen auf existierende Begriffe bei der Bezeichnung der Imitate geben, wie beispielsweise „Soja-Milch“, „vegetarischer Leberkäse“ oder „vegane Wurst“. „Nur das Original heißt Fleisch oder Wurst; ein Imitat bleibt immer eine Kopie“, so der Kammerpräsident. Daher sei EU-weit ein Bezeichnungsschutz speziell für Fleisch und Fleischprodukte nötig. Wie das gehen könnte, zeige das Beispiel Milchprodukte. Butter müsse nämlich zu 100 % aus Rahm, also aus einem tierischen Rohstoff, bestehen und dürfe keine pflanzlichen Zutaten enthalten. Sei dies dennoch der Fall, müsse das Produkt laut EU-Marktordnung anders bezeichnet werden. AgE

EU-Milchindustrie begrüßt Mercosur-Übereinkunft

Anders als der landwirtschaftliche Berufsstand und die Zuckerwirtschaft begrüßt der Europäische Milchindustrieverband (EDA) die erzielte Übereinkunft für ein assoziiertes Abkommen zwischen der EU-Kommission und den südamerikanischen Mercosur-Staaten ausdrücklich. EDA-Generalsekretär Alexander Anton bezeichnete die Einigung als einen echten „Durchbruch“. Positiv sei vor allem das klare Bekenntnis der Verhandlungspartner zum Pariser Klimaschutzabkommen (COP21). Darüber hinaus werde es das Mercosur-Handelsabkommen grundsätzlich ermöglichen, einige der Potentiale der südamerikanischen Märkte zu „entkorken“. Das vereinbarte Zollkontingent von 30 000 t Käse pro Jahr entspricht laut Anton etwa dem Zehnfachen der Mengen, die aktuell in den Mercosur exportiert werden. Dieser zusätzliche Marktzugang sei ein Beitrag, die Diversifizierung der EU-Exporte für Milchprodukte zu unterstützen und damit den Milchsektor widerstandsfähiger gegenüber Handelsverzerrungen zu machen, betonte der EDA-Generalsekretär. Allerdings sei es auch kein Geheimnis, dass sich sein Verband mit Blick auf die Zollquoten für Käse, Milchpulver und Babynahrung höhere Kontingente erhofft hätte. Zudem habe man eine kürzere Übergangsphase als die vereinbarten zehn Jahre erwartet. Neben dem Kontingent von 30 000 t zollfreiem Käse sind für Milchpulver 10 000 t und für Babynahrung 5 000 t im Jahr vorgesehen. Anders als etwa für Rindfleisch und Zucker, die nur für die Mercosur-Staaten gelten, werden die Lieferquoten für Milchprodukte für beide Seiten in Kraft treten. Weiter Front gegen das Mercosur-Abkommen macht der irische Bauernverband (IFA). Er will sein Vorgehen noch einmal verschärfen. Geplant seien mehrere Treffen mit nationalen Politikern sowie Verantwortungsträgern in Brüssel, hieß es von Verbandsseite. Bereits am Mittwoch vergangener Woche kam es zu einem Treffen zwischen EU-Gesundheitskommissar Vytenis Andriukaitis und dem IFA-Präsidenten und Ersten Vizepräsidenten des EU-Ausschusses der Bauernverbände (COPA), Joe Healy. Im Rahmen der anlaufenden Kampagne werde man unter anderem auf die Umweltschäden durch die südamerikanische Rindfleischerzeugung sowie den Antibiotikamissbrauch bei der dortigen Geflügelmast hinweisen, kündigte Healy an. AgE

USA planen auch Vergeltungszölle auf EU-Schweinefleisch und -Milchprodukte

Die Vereinigten Staaten haben ihre Ankündigung vom April, wegen der europäischen Subventionen für den Flugzeugbauer Airbus Vergeltungszölle erheben zu wollen, mit weiteren konkreten Beispielen unterfüttert. Einer Liste zufolge, die von Washington Anfang Juli veröffentlicht worden ist, muss die Europäische Union vor allem mit zusätzlichen Zöllen auf Agrarprodukte wie Schweinefleisch und Milcherzeugnisse rechnen. Neben Edamer, Gouda und verschiedenen italienischen Käsesorten sind auch Pasta, Kaffee, Birnen und Kirschen von möglichen Gegenmaßnahmen der USA betroffen. Oliven finden sich ebenfalls auf der Liste. Bereits jetzt erhebt Washington Sonderzölle auf schwarze spanische Oliven und begründet dies mit den Beihilfen aus der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP). Überdies enthält die Aufstellung irische und schottische Whiskysorten. Auch einige Düngemittel sowie verschiedene Artikel aus Eisen, Kupfer und Messing wie Rohre und Hohlprofile sollen mit den Vergeltungsmaßnahmen getroffen werden. Nach Angaben des US-Handelsbeauftragten (USTR) Robert Lighthizer beläuft sich der Handelswert der auf der neuen Liste aufgezählten Produkte auf rund 4 Mrd $ (3,5 Mrd Euro). Zudem wird eine Konsultation zu den Vorschlägen vorgeschlagen; schließlich soll eine öffentliche Anhörung stattfinden. Die Frist für die Einreichung von Anträgen hierzu soll am 25. Juli und die Frist für die Einreichung schriftlicher Kommentare am 5. August enden. Die Höhe etwaiger Zölle, die erhoben werden könnten, unterliegt dem Schiedsverfahren der Welthandelsorganisation (WTO).

Drittgrößter Absatzmarkt

Sehr besorgt über die neue Liste zeigte sich die deutsche Ernährungsindustrie. Handelsstreitigkeiten in anderen Sektoren müssten auch dort ausgetragen werden, forderte die Geschäftsführerin der Bundesvereinigung der Deutschen Ernährungsindustrie (BVE), Stefanie Sabet, in Berlin. Weitere Strafzölle auf Lebensmittel seien nicht gerechtfertigt. Die zusätzlich angekündigten US-Zölle würden deutsche Exporteure hart treffen, stellte Sabet fest. Ausfuhrprodukte im Wert von rund 300 Mio Euro wie Kaffee, Schweinefleischerzeugnisse, Käse oder Teigwaren wären betroffen. „Wir fordern die EU auf, wirksame Gegenmaßnahmen zu ergreifen, die die heimische Wirtschaft entlasten“, erklärte Sabet. Die USA seien einer der wichtigsten Handelspartner überhaupt. „Wir brauchen daher dringend einen Abbau von Handelshemmnissen im Agrar- und Lebensmittelhandel mit den USA“, betonte die BVE-Geschäftsführerin. Aktuell liege das US-Geschäft weit hinter seinen Möglichkeiten zurück. Laut BVE wurden von der deutschen Ernährungsindustrie im Jahr 2018 Waren im Gesamtwert von rund 1,7 Mrd Euro in die Vereinigten Staaten exportiert. Das habe in etwa einem Anteil von 3 % an den gesamten Ausfuhren der heimischen Lebensmittelhersteller entsprochen. Nach den EU-Partnerländern und China seien die USA damit der drittgrößte Absatzmarkt für deutsche Nahrungsgüter. AgE

Umrechnungskurs: 1 $ = 0,8811 Euro

Angekündigte Milchpreissenkung sorgt für Kritik im Berufsstand

Kritik an den, von verschiedenen Großabnehmern zum Monatswechsel, angekündigten Milchpreissenkungen haben der Schweizer Bauernverband (SBV) und die Schweizer Milchproduzenten (SMP) geübt. Die Begründungen für die Ankündigungen seien schlichtweg falsch und nicht haltbar, monierten beide Verbände. Fehlende Mittel beim Rohstoffausgleich der Schoggigesetz-Nachfolgelösung, wie sie beispielsweise der Milchverarbeiter ELSA-Mifroma angeführt habe, seien kein Argument für ein Unternehmen, das in diesem Segment kaum tätig sei. Ungenügende Verkaufsleistungen einfach auf die Milchlieferanten zu überwälzen, habe wenig mit Partnerschaft zu tun. Dies untergräbt nach Ansicht von SBV und SMP die gemeinsamen Anstrengungen der Schweizer Milchbranche für Maßnahmen wie die bestehende Segmentierung und die auf Anfang September geplante Einführung des „Grünen Teppichs“ als Standard für nachhaltige Milch. Die beiden Verbände forderten die Milchabnehmer auf, dieses „Spiel mit dem Feuer“ zu beenden und auf die Milchpreissenkungen zu verzichten, auch mit Blick auf die gute Marktsituation. Mehr Fairness bei der Verteilung der Wertschöpfung sei dringend gefragt. Laut SBV bewegen sich sowohl die Milchanlieferungen als auch die Mengen in den Butterlagern derzeit auf einem vergleichsweise niedrigen Niveau; zudem liege der A-Richtpreisindex des Bundesamtes für Landwirtschaft (BLW) über dem Vorjahreswert. Gleichzeitig deuteten wichtige EU-Milchmarktindikatoren auf eine stabile bis verhalten positive Marktlage für die kommenden Monate hin. AgE

Hohenheim entwickelt neue Methoden gegen Lebensmittelbetrug

Neue Methoden zur Bestimmung der Herkunft von pflanzlichen Nahrungsmitteln erforscht derzeit die Universität Hohenheim. Wie die Stuttgarter Hochschule dazu mitteilte, werden Analysen entwickelt, die exakte Angaben über die geografische Herkunft, die Anbaubedingungen und die Lebensmittelsorte ermöglichen sollen. Die Forscher setzen dazu auf verschiedene Ansätze. Bei der Isotopen-Analyse wird laut Universität die Zusammensetzung der Isotope von Kohlen-, Stick- und Wasserstoff genutzt, um die Herkunft einer Pflanze zu bestimmen. Experimentell sei damit bereits die Unterscheidung von Freiland- und Gewächshauspaprikas gelungen. Außerdem werde die Lipid-Analyse genutzt, um einen genaueren Blick auf die Fettsäuren und Sterole - beides wichtige Bestandteile der Zellmembran - zu werfen. Dies ermögliche es zum Beispiel, die „kulinarisch wertlosen“ China-Trüffel von den französischen Gourmet-Produkten zu unterscheiden. Der dritte Ansatz setzt nach Angaben der Hochschule auf die sogenannte Elementanalytik, mit der sich die Mineralstoffe in den Pflanzen bestimmen lassen. Diese gäben Aufschluss über den Boden, in dem die Pflanzen gewachsen seien, da die Mineralstoffe beim Wachsen aus dem Boden aufgenommen würden. Auf diese Art lasse sich eine Pflanze dem Boden einer bestimmten Region zuordnen. AgE

DMK Group mit stabilem Jahresergebnis

Das Deutsche Milchkontor (DMK) hat im Geschäftsjahr 2018 ein stabiles Ergebnis erzielt. Wie das Unternehmen Mitte Juni berichtete, belief sich der Umsatz auf insgesamt 5,6 Mrd Euro und lag damit um 200 Mio Euro unter dem Niveau des Vorjahres. Zugleich verbesserte sich das Ergebnis um 1,0 Mio Euro auf 30,6 Mio Euro; die Eigenkapitalquote blieb mit 30,9 % nahezu unverändert. DMK-Geschäftsführer Ingo Müller erläuterte den „weitreichenden Wandel“ des Unternehmens. Eine erste Phase, die auch durch Investitionen in die Zukunft geprägt gewesen sei, sei nahezu abgeschlossen. Jetzt gehe es darum, „gezielt die Effekte einzufahren“. Oberste Maßgabe wird dabei nach Müllers Worten sein, „den Verbraucher in den Mittelpunkt zu stellen, von seinen Wünschen und Bedürfnissen aus zu denken“. Künftig würden das Konsumentenverständnis vertieft und individuelle Generationen gezielt angesprochen, erklärte Müller. Bereits heute gebe es zu jeder Lebensphase und zu jedem Bedürfnis ein Angebot im DMK-Sortiment. Dabei will das Unternehmen weiterhin primär auf Milch und Milchprodukte setzen. Milch werde „mit großem Abstand“ der wichtigste Rohstoff bleiben, zeigte sich der DMK-Geschäftsführer überzeugt. Müller will zugleich die internationalen Aktivitäten weiter schärfen. In diesem Bereich sei der organisatorische Umbau noch nicht weit genug gegangen. Das DMK betrachte Europa als „Heimatmarkt“ und werde die Expertise dort künftig auf die richtigen Geschäftsfelder konzentrieren. Außerhalb Europas wird das Unternehmen laut Müller klare Schwerpunkte setzen. Regionale Stützpunkte in Russland, China oder Nigeria mit lokalen Teams seien wirkungsvoller als der reine Export aus Deutschland heraus. AgE

DMK mit neuem Geschäftsführer

Beim Deutschen Milchkontor (DMK) wird es einen Wechsel in der kaufmännischen Geschäftsführung geben. Wie das Unternehmen in der vergangenen Woche mitteilte, wird der bisherige Geschäftsführer Volkmar Taucher am 1. Juli von Dr. Frank Claassen abgelöst. Der 54-Jährige kommt von der Beiersdorf AG und gilt als ausgewiesener Finanzexperte. „Wir freuen uns, mit Dr. Frank Claassen einen äußerst erfahrenen Manager gewonnen zu haben“, erklärte der DMK-Aufsichtsratsvorsitzende Heinz Korte. Mit seinen Erfahrungen werde Claassen die DMK Group auf dem weiteren Weg der Neupositionierung bereichern. Dem scheidenden Geschäftsführer dankte Korte für die vertrauensvolle Zusammenarbeit und seine langjährigen wertvollen Beiträge. Taucher habe die Entwicklung des Unternehmens in den letzten Jahren „Maßgeblich mitgeprägt“. AgE

Milchverbände in Nordrhein-Westfalen bekommen eigenen Geschäftsführer

Seit mehr als einem Jahrzehnt gibt es in Nordrhein-Westfalen eine Zusammenarbeit zwischen der Landesvereinigung der Milchwirtschaft (LV Milch NRW) und dem Landeskontrollverband (LKV NRW). Diese drückt sich nicht nur durch das Arbeiten im gleichen Haus, sondern auch durch eine gemeinsame Geschäftsführung durch Dr. Rudolf Schmidt aus. Wie beide Verbände mitteilten, wurde bei einer gemeinsamen Vorstandssitzung nun vereinbart, dass sich Schmidt zukünftig nur noch auf die Geschäftsführung der LV Milch NRW konzentrieren wird. Der LKV NRW wird diese Position schnellstmöglich neu besetzen. Grund sei, dass die Bewältigung der aktuellen und zukünftigen Herausforderungen in einem zunehmend komplexeren und sensibleren Umfeld nur durch diese personelle Verstärkung zu bewerkstelligen sei. Der Vorstand des Landeskontrollverbandes dankte Schmidt für „sein herausragendes Engagement und die erfolgreiche Arbeit“ und zeigte sich überzeugt, dass die enge Kooperation zwischen dem LKV und der Landesvereinigung erfolgreich fortgeführt werden könne. Dafür wurde den Verbänden zufolge auf der Vorstandssitzung bereits die Grundlage gelegt. Es sei nämlich vereinbart worden, die Zusammenarbeit mit der Erzielung von Synergieeffekten nicht nur fortzuführen, sondern weiter auszubauen. So sei beabsichtigt, neben der verwaltungstechnischen Kooperation zukünftig auch die Aktivitäten in den Bereichen Öffentlichkeitsarbeit sowie der Förderung der Qualitätsproduktion und der tierartgerechten Milchviehhaltung deutlich zu vertiefen. AgE

Bürgerinitiative für Nährwertkennzeichnung in den Startlöchern

Grünes Licht für eine europäische Bürgerinitiative (EBI) zur Einführung einer Nährwertkennzeichnung hat die Europäische Kommission gegeben. Wie die Brüsseler Behörde mitteilte, hat die Initiative „Pro-Nutriscore“ offiziell ein Jahr Zeit, mindestens eine Millionen Unterschriften aus mehr als sechs verschiedenen Mitgliedstaaten zu sammeln; dann wird sich die EU-Kommission mit ihrem Anliegen auseinandersetzen. Die Initiatoren wollen, dass den Verbrauchern bessere Nährwertinformationen zur Verfügung gestellt werden, indem ein vereinfachtes „Nutri-Score“-Label verpflichtend auf allen Nahrungsmitteln ausgewiesen werden muss. Sie versprechen sich davon neben gesundheitlichen Vorteilen für die Konsumenten eine Harmonisierung der Kennzeichnungssysteme in der EU sowie Anreize für die Lebensmittelhersteller, ihre Rezepturen gesünder zu machen. Die Nährwertkennzeichnung „Nutri-Score“ basiert auf der Beurteilung des Gesamtnährwertes eines Lebensmittels. Kürzlich hat Belgien das Label eingeführt; in Spanien ist dies vorgesehen, und in Frankreich wird es bereits seit längerem verwendet. In Deutschland ist die Kennzeichnung gleichwohl umstritten. Das Landgericht Hamburg erließ Mitte April eine einstweilige Verfügung gegen die Kennzeichnung von iglo-Verpackungen mit „Nutri-Score“; das Unternehmen hat Berufung angekündigt. Verbraucherschutzorganisationen befürworten diese Kennzeichnung. Neben iglo wird „Nutri-Score“ in Deutschland bereits von Danone und bofrost verwendet, und weitere Hersteller bereiten die Einführung vor. Abzuwarten bleibt, wieviel Einfluss „Pro-Nutriscore“ auf die Debatte um die Kennzeichnungssysteme haben wird. Die im Januar 2017 offiziell registrierte EBI gegen Glyphosat hat bekanntlich die EU-Gesetzgebung beeinflusst. Die Initiative war im Zuge der Kontroversen um die Wiederzulassung des Herbizidwirkstoffes ins Leben gerufen worden, hatte bereits nach fünf Monaten ihr Quorum erreicht und letztlich auch dazu beigetragen, dass transparentere Richtlinien in der Lebensmittelsicherheit eingeführt werden. AgE

Landgericht Hamburg erklärt „Nutri Score“ für nicht zulässig

Das Landgericht Hamburg hat vergangene Woche eine einstweilige Verfügung gegen die Kennzeichnung von iglo-Verpackungen mit dem Kennzeichnungssystem „Nutri-Score“ erlassen. Die Richter erklärten die Verwendung dieser Lebensmittelkennzeichnung für wettbewerbsrechtlich nicht zulässig. Nutri-Score basiert auf der Beurteilung des Gesamtnährwerts eines Lebensmittels. Negative Faktoren sind beispielsweise ein hoher Gehalt an Zucker, gesättigten Fettsäuren und Salz sowie eine hohe Kalorienzahl. Positiv bewertet wird dagegen der Gehalt an Obst, Gemüse, Rohfaser und Eiweiß. Das Ergebnis dieses Rankings wird als vergrößertes Feld der Sechserreihe von tiefgrün über hellgrün, gelb und orange bis dunkelrot dargestellt. Das Unternehmen iglo kündigte an, Berufung gegen das Urteil einzulegen. Dem Tiefkühlkosthersteller zufolge will der in München ansässige Schutzverband gegen Unwesen in der Wirtschaft die freiwillige Nährwertkennzeichnung auf den Verpackungen unterbinden. Neben iglo haben sich unter anderem auch die Unternehmen Danone und bofrost dazu entschieden, Nutri-Score in Deutschland einzuführen. Auch Sicht der Deutschen Allianz Nichtübertragbare Krankheiten (DANK) zeigt das Urteil, dass „die deutsche Politik die Entwicklung im Lebensmittelmarkt verschlafen hat“. Verbraucher und Hersteller wünschten sich eine klarere Nährwertkennzeichnung, wie sie durch Nutri-Score gewährleistet sei. Dieser dürfe aber in Deutschland nicht verwendet werden, auch weil das Bundeslandwirtschaftsministerium sich weigere, den Nutri-Score einzuführen. Stattdessen habe Ressortchefin Julia Klöckner nun angekündigt, ein ganz neues Kennzeichnungssystem entwickeln zu wollen. Das von ihr beauftragte Max-Rubner-Institut (MRI) weise in seinem Bericht darauf hin, dass dies „mehrere Jahre“ dauern würde. Angesichts der hohen Quoten von Übergewicht in Deutschland und den dramatischen Folgen sei dies eine völlig inakzeptable und unnötige Verzögerung, kritisierte DANK. Der MRI-Bericht zeige nämlich auch, dass der Nutri-Score die allermeisten geprüften Kriterien für eine gute Lebensmittelkennzeichnung erfülle. Klöckner müsse den notwendigen Rahmen schaffen, damit Hersteller ihren Kunden diesen Mehrwert bieten könnten. AgE