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Biomilchpreise decken Produktionskosten nicht

Die stetig wachsende Nachfrage nach Bioprodukten hat viele Milchbauern zur Betriebsumstellung motiviert und die Ökomilcherzeugung wachsen lassen. Wie eine vom European Milk Board (EMB), dem Bundesverband Deutscher Milchviehhalter (BDM) und der MEG Milch Board in Auftrag gegebene Studie des Büros für Agrarsoziologie und Landwirtschaft (BAL) jetzt zeigt, werden in Deutschland die Erzeugungskosten der Biomilch aber nicht durch das Milchgeld gedeckt. Den Analysten zufolge lagen die gesamten Produktionskosten für ein Kilogramm Ökomilch im Wirtschaftsjahr 2018/19 bei durchschnittlich 71,89 Cent, die sich nach Abzug der Beihilfen in Form von Direktzahlungen und Zuschüssen auf noch 60,29 Cent/kg beliefen. Dem habe bei der Anlieferung an die Molkereien nur ein mittlerer Erzeugerpreis von 47,40 Cent/kg für Ökomilch mit 4,0 % Fett und 3,4 % Eiweiß gegenübergestanden. Es fehlten somit 12,89 Cent/kg beziehungsweise 21,4 % zur Vollkostendeckung. Der BDM-Landesvorsitzende in Hessen, Klaus Vetter, betonte, dass 2018/19 kein Ausnahmejahr gewesen sei, sondern die Unterdeckung laut Studie in dem Fünfjahreszeitraum von 2014/15 bis 2018/19 sogar bei 16,34 Cent/kg oder 25,5 % gelegen habe. „Auch wenn der Biomilchpreis in den vergangenen fünf Jahren im Schnitt relativ stabil zwischen 47,0 Cent/kg  und 48,5 Cent/kg lag, war das keine entspannte Situation für die Produzenten“, stellte Vetter fest. Für den Vorsitzenden der MEG Milch Board, Peter Guhl, zeigt die zukünftig jedes Jahr erscheinende Analyse der BAL, dass „bei all den Unterschieden zwischen konventioneller und ökologischer Produktion alle Milcherzeuger mit einer signifikanten Kostenunterdeckung konfrontiert sind“. Alle drei an der Studie beteiligten Verbände hoben hervor, dass eine faire Entlohnung der Biomilchbauern nicht gewährleistet sei. Dies dächten jedoch die meisten Verbraucher beim Ökomilcheinkauf und wollten, dass die Biomilcherzeugung zukunftsweisend und zukunftsfähig sei. Dies setze jedoch einen tatsächlich kostendeckenden Milchpreis voraus, mit dem die bäuerlichen Milchviehbetriebe auch zukunftsfähig wirtschaften und nachhaltig existieren könnten. AgE

Verpackungsverbrauch 2017 weiter gestiegen

In Deutschland fällt immer mehr Verpackungsabfall an. Wie das Umweltbundesamt (UBA) berichtete, erreichte das Aufkommen im Jahr 2017 insgesamt rund 18,7 Mio t; das war gegenüber dem Vorjahr ein Plus von 3 %. Pro Kopf und Jahr entsprach das laut UBA durchschnittlich 226,5 kg Verpackungsabfall. Auf private Endverbraucher entfiel mit 8,84 Mio t ein Anteil von 47 % an der Gesamtmenge und damit 3,8 Prozentpunkte mehr als 2016. „Wir verbrauchen viel zu viele Verpackungen. Das ist schlecht für die Umwelt und für den Rohstoffverbrauch“, mahnte UBA-Präsidentin Maria Krautzberger. Um Abfälle möglichst schon in der Produktionsphase zu vermeiden, sollte daher auf überflüssige und unnötig materialintensive Verpackungen verzichtet werden. Zudem brauche es viel mehr Mehrweg, betonte Krautzberger. Auch Kaffee könne in Mehrwegbechern mitgenommen werden, und auch Essen müsse in Mehrwegbehältern transportiert werden können. Um Umweltbelastungen durch Verpackungen deutlich zu verringern, reiche es nicht, bei Einwegverpackungen nur andere Materialien zu verwenden. Besser sei es, Mehrwegverpackungen zu nutzen, weniger Verpackungsmaterial einzusetzen, die Verpackungen einfacher zu gestalten und gleichzeitig an die Recyclingfähigkeit zu denken. Die Ursachen für den anhaltend hohen Verpackungsverbrauch sind nach Angaben des UBA vielfältig. Ein wesentlicher Treiber sei das Wirtschaftswachstum, denn mehr Produkte führten auch zu mehr Verpackungen. Verantwortlich seien aber auch die Konsumgewohnheiten und der Wunsch nach zusätzlichen Funktionen der Verpackungen wie Wiederverschließbarkeit oder Dosierhilfen. Zudem setzten sich die Trends zu kleineren Portionen, Versandhandel und Außer-Haus-Verzehr durch; das führe ebenfalls zu Steigerungen beim Verpackungsmüll. Beim Recycling steht Deutschland dem UBA zufolge weiterhin gut da. Vom gesamten Verpackungsabfall gingen fast 70 % in die Wiederverwertung; der Rest werde größtenteils energetisch verwertet. Vergleichsweise hoch ist die Recyclingquote nach Angaben des Amtes bei Glas, Papier und Stahl mit Werten von mehr als 84 %. Bei Kunststoffen und Holz sei angesichts von 49,7 % beziehungsweise 25,8 % jedoch noch viel Recyclingpotential vorhanden. AgE

Drei Viertel der Bundesbürger finden Lebensmittel sicher

Mehr als drei Viertel der Bundesbürger halten weiterhin Lebensmittel für eher sicher. Das geht aus dem aktuellen Verbrauchermonitoring hervor, einer repräsentativen Bevölkerungsumfrage des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR) unter etwa 1 000 Personen. Wie die Behörde dazu weiter berichtete, stehen gleichwohl Verbraucher- und Gesundheitsthemen wie Salmonellen in Lebensmitteln, gentechnisch veränderte (GV) Lebensmittel oder Antibiotikaresistenzen ganz oben auf der Bekanntheitsskala von Verbrauchern. Das Thema Schimmelpilzgifte in Lebensmitteln sei deutlich bekannter und beunruhige gleichzeitig mehr Menschen als in der vorherigen Umfrage im Februar dieses Jahres. Insgesamt 46 % der Befragten hätten sich hierüber besorgt gezeigt; das sei ein Plus von 13 Prozentpunkten gegenüber Februar. „Verbraucher fürchten eher synthetisch hergestellte Stoffe als natürlich vorkommende Substanzen“, erklärte BfR-Präsident Prof. Andreas Hensel. Nach seinen Worten zeigt sich, wie schnell sich die Wahrnehmung vor gesundheitlichen Risiken verändert, darin, dass die Menschen Schimmelpilzgifte in Lebensmitteln mittlerweile als ähnlich gefährlich ansehen wie Salmonellen oder Pflanzenschutzmittelrückstände. Dem BfR zufolge nehmen die Befragten nach wie vor eine ungesunde und falsche Ernährung, die Klima- und Umweltbelastung sowie das Rauchen als die größten gesundheitlichen Risiken wahr. AgE

Anspruchsvollere Lebensmittelverbraucher schaffen Marktchancen

Die zunehmenden Anforderungen der niederländischen Verbraucher an Lebensmittel schaffen nach Einschätzung der Unternehmensberatung Simon Kucher & Partners auch Marktchancen für die Branchenunternehmen. Wie der Consultant Jos Eeland in der holländischen Fachzeitschrift „Marketing Tribune“ schreibt, sind die Konsumenten unter anderem zunehmend an Komfort interessiert. In der Folge sei der Markt für die Lieferung von Mahlzeiten stark gewachsen. Beispielsweise habe sich die Zahl der Restaurants mit einem Liefer- und/oder Abholservice im Zeitraum 2010 bis 2016 in etwa verdoppelt. Der betreffende Umsatz wachse jährlich prozentual zweistellig. Auch bei der Belieferung der Verbraucher durch Supermärkte und Foodbox-Konzepte gebe es einen starken Anstieg. Allerdings berechneten die Supermärkte rund 5 Euro für die Zustellung nach Hause und etwa 1 Euro bis 3 Euro für die Abholung an einer Sammelstelle. Untersuchungen zeigten indes, dass mehr als die Hälfte der niederländischen Verbraucher einen Online-Einkauf in Betracht ziehen würden, wenn die Lieferung kostenlos wäre. Die Preisgestaltung müsste also entsprechend angepasst werden. Unterdessen wachsen dem Consultant zufolge auch die Verkaufszahlen und Marktanteile von Bio- und „Nachhaltigkeitsprodukten“. Die Verbraucher wollten Erzeugnisse, die mit Respekt vor Menschen, Tieren und der Umwelt hergestellt würden. Untersuchungen von Simon Kucher & Partners hätten gezeigt, dass zwar fast jeder gerne Biofleisch in den Regalen sehe, aber nur kaum ein Viertel der Verbraucher kaufe es tatsächlich regelmäßig. Der überwiegende Teil der Befragten halte das Biofleisch nämlich für zu teuer. Der im Durchschnitt tolerierte Preisaufschlag gegenüber konventioneller Ware liege zwischen 25 % und 30 %. Dabei spiele es keine Rolle, ob es um Hühnerfilet oder Hackfleisch gehe. Jedoch koste Biohühnerfleisch im Supermarkt etwa doppelt so viel wie Hühnerfleisch von Tieren aus konventioneller Haltung, während für Hackfleisch vom Biorind nur ein Aufschlag von 40 % bezahlt werden müsse. Es bestehe also ein Missverhältnis zwischen Preisgestaltung und Zahlungsbereitschaft für Bioprodukte, stellte Eeland fest. Dies erschwere die Einführung von Bioprodukten. AgE

Lokale Lebensmittelkreisläufe als Trend

„Lokale Lebensmittel-Kreisläufe“ gehören zu einem der wichtigsten Trends der Ernährungsbranche im Zeithorizont bis 2035. Zu diesem Schluss kommt das Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung (ISI), das die wichtigsten Trends im Lebensmittelbereich erforscht hat. Wie das ISI berichtete, hat der Direktverkauf von Landwirten an Kunden zu verschiedensten Innovationen wie Abonnements für Essenskisten mit saisonalen Produkten oder von Bauernhöfen betriebenen Online-Shops geführt. Diese Innovationen verfügten über etliche Vorteile, darunter die Frische der Produkte, einen geringeren Verpackungsmüll oder geringere Umweltschäden durch den entfallenden Lebensmitteltransport. Aus Klima- oder saisonalen Gründen könne es aber vorkommen, dass Verbrauchern der Zugang zu manchen Lebensmitteln verwehrt bleibe, so die Forscher. Gleichwohl könnten die lokalen Lebensmittelkreisläufe dazu beitragen, die Nahrungsmittelproduktion bis 2035 von zentralen Strukturen auf dezentrale und teilweise autonome Ernährungssysteme umzustellen. Eine weitere zentrale Forschungsfrage ist dem ISI zufolge, wie sich der Ressourcenverbrauch im globalen Ernährungssystem reduzieren lässt. Der Trend zu Verringerung von „Lebensmittelabfällen und Verschwendung“ wird aus Sicht der Wissenschaftler dabei eine wichtige Rolle spielen. Die hohe Menge an Lebensmittelabfällen in den Industrieländern, die sich auf rund ein Drittel der jährlichen globalen Nahrungsmittelproduktion, also etwa 1,3 Mrd t, belaufe, zeige die Ineffizienz des globalen Ernährungssystems auf. Im Hinblick auf das „Essen der Zukunft“ geht der Trend laut ISI hin zu alternativen Proteinen. Rein pflanzliche Fleischalternativen, Produkte auf Insektenbasis oder mittels modernster Biotechnologien hergestelltes Fleisch könnten notwendig sein, um den Proteinbedarf einer wachsenden Weltbevölkerung zu decken. Daneben müssten sich die Produktionssysteme und das Verbraucherverhalten ändern. Vor allem der hohe Fleischverzehr pro Person stelle eine Herausforderung dar. Der Trend könnte zu einer Koexistenz von Fleisch- und alternativen Proteinindustrien führen, die sich gegenseitig ergänzten. AgE