Flexible Mengensteuerung als Lösung
Auch der Schweizer Milchmarkt leidet unter Überproduktion. Das hat zu einem Rückgang der Erzeugerpreise geführt. Vom Berufsstand wird nun ein flexibles Instrument zur Mengensteuerung vorgeschlagen. Zudem sollte es mehr Transparenz beim Erstkauf von C‑Milch geben. Seit Sommer 2025 steigen die Milchanlieferungen in dem Alpenland deutlich; im Januar 2026 wurden 7% mehr produziert als im Vorjahresmonat. Die Verarbeitungskapazitäten stoßen mittlerweile an ihre Grenzen.

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Besorgt zeigt sich der Schweizer Bauernverband (SBV) über die aktuelle Situation auf dem heimischen Milchmarkt. Dieser befindet sich in einer erneuten Phase der Überproduktion, was zu einem kräftigen Preisverfall bei Industriemilch führte. Um den entgegenzuwirken, unterstützt der SBV eine Resolution von AgriJura, der Landwirtschaftskammer des Kantons Jura. Um den Milchmarkt nachhaltig zu stabilisieren und neuerliche Krisen zu vermeiden, wird darin ein Instrument für eine flexible Mengensteuerung auf Betriebsebene vorgeschlagen, das der Marktsituation angepasst werden kann.
Laut dem Vorschlag soll es möglich sein, bei ersten Anzeichen eines Ungleichgewichts am Milchmarkt einen entsprechenden Mechanismus zur Mengenreduktion zu aktivieren, ohne dass es sich dabei um eine „versteckte Kontingentierung“ handelt. Laut AgriJura-Direktor François Monin könnte dies beispielsweise ein Lieferrecht pro Betrieb sein. Dieses könnte bei großer Nachfrage aufgehoben und bei angespannter Situation auf dem Markt wieder bindend werden. Die Betriebe könnten gemäß ihrem Recht Milch zu einem definierten Preis liefern; alles, was darüber hinaus anfalle, werde mit Preisabschlägen bestraft.
Monin kann sich je nach Situation auch Zwischenstufen mit unterschiedlicher Erfüllung des Lieferrechts – zum Beispiel 95 oder 105% – vorstellen. Wichtig sei, dass diese Rechte national, also flächendeckend, eingeführt würden und nicht nur bei einem einzigen Milchkäufer. Dies sei zunächst nur eine rein kantonale Idee, betonte der Direktor. Mit der Resolution wolle man der Branche den Anstoß geben, eine eigene Lösung zu erarbeiten.
Geklärt werden müsste unter anderem die Festlegung des Lieferrechts pro Betrieb, so Monin. Dieses könnte aus historischen Anlieferungen errechnet werden oder aber anhand der Futterbasis. Bedeutsam sei, dass die nationale Summe der Milchanlieferungen nicht größer sei als die Verarbeitungskapazitäten und die Marktnachfrage. Nur so könne man Preisabstürze und zukünftige Krisen vermeiden.
Gefordert wird in der Resolution darüber hinaus eine monatliche Transparenz beim Erstkauf von C-Milch. Dabei handelt es sich um das niedrigpreisige Milchsegment, das für den Export bestimmt ist – insbesondere für Butter, Rahm und andere Milchfettprodukte.
Über der Vorjahreslinie
Die Milchanlieferungen in der Schweiz sind seit Sommer 2025 angestiegen und bewegen sich über der Vorjahreslinie. Nach Angaben von Swissmilk wurden im Januar 2026 insgesamt rund 297.400 Tonnen produziert; das waren fast 20.000 Tonnen oder 7,1% mehr als im Vorjahresmonat. Deshalb fließt viel Milch in das niedrigpreisige C-Segment.
Laut der Branchenorganisation Milch (BO Milch) stoßen die Verarbeitungskapazitäten mittlerweile an ihre Grenzen. Es drohe ein Szenario, in dem nicht mehr alle Milch verarbeitet werden könne, so die Warnung. Die BO Milch empfiehlt daher als weitere Maßnahme, im Fall von hohen Überlieferungen die Milch zu einem noch niedrigeren Preis zu handeln. AgE
