Seit 1879 Lebensmittelindustrie und Milchwirtschaft

Lebensmittel könnten teurer werden

16. Juni 2026

Eine aktuelle Studie heizt die Tank-Teller-Diskussion wieder an. Die Autoren warnen davor, dass steigende Biokraftstoffziele weltweit Lebensmittel verteuern und den Düngermangel verschärfen könnten. Die Nachfrage nach Biokraftstoffen steige stark, während Exportbeschränkungen von Rohstoffen den Markt zusätzlich belasteten. Bereits jetzt erhöhten sich die Lebensmittelpreise, besonders für Pflanzenöle. Kritisiert wird, dass der Ausbau von Biokraftstoffen neue Ackerflächen benötige und Ökosysteme gefährde. Stattdessen empfehlen Experten eine verstärkte Elektrifizierung.

Foto: pixabay

Die Tank-Teller-Diskussion kommt wieder auf. Im Raum steht die Befürchtung, dass ehrgeizige Ziele vieler Staaten bei der Biokraftstoffproduktion – ausgelöst durch die hohen Ölpreise – weltweit zu höheren Lebensmittelpreisen führen und zugleich die Düngemittelknappheit verschärfen könnten. Davor warnt eine aktuelle Studie, die jetzt von der Europäischen Vereinigung für Verkehr und Umwelt (T&E) vorgelegt wurde. Die Autoren gehen davon aus, dass die Nachfrage nach Biokraftstoffen in diesem Jahr global um bis zu 30% ansteigen wird; bis 2030 erwarten sie sogar einen Zuwachs um 70%.

Die Preise für die meisten Lebensmittel – insbesondere für Pflanzenöle – seien zuletzt drei Monate in Folge gestiegen, heißt es in der Studie. Sie wiederholten damit das Muster, das sich nach dem Ausbruch des Ukrainekrieges 2022 gezeigt habe. Seit dem Nahost-Konflikt und den anschließenden hohen Ölpreisen hätten viele Regierungen, darunter in den USA, Indonesien und Thailand, neue Zielmarken für Biokraftstoffmischungen eingeführt. Gleichzeitig schränkten Exportgiganten wie Brasilien und Indonesien die Ausfuhr wichtiger Rohstoffe für die Herstellung von Biokraftstoffen ein.

T&E warnt davor, eine Kraftstoffkrise gegen eine Lebensmittelkrise einzutauschen. Die unbeabsichtigten Auswirkungen auf Lebensmittelpreise und Umwelt seien enorm. „Die Regierungen spielen ein gefährliches Spiel, indem sie Lebensmittel als Brennstoff fördern“, so Kädi Ristkok, Energie- und Klimadirektor des Verbandes. Die Verantwortlichen versuchten verständlicherweise, Lösungen für die aktuelle Ölkrise zu finden. Allerdings könnten Biokraftstoffe im derzeitigen Energiesystem nie mehr als eine marginale Rolle spielen, ohne verheerende Folgen zu haben. „Anstatt Autos zu versorgen, müssen Regierungen nachhaltigere Optionen wie die Elektrifizierung verfolgen“, so Ristkok.

Nahrungsmittelreserven in Gefahr

Da die zukünftige landwirtschaftliche Produktion aufgrund des anhaltenden Düngemittelmangels eingeschränkt werde, liefen die globalen Nahrungsmittelreserven Gefahr, schnell erschöpft zu werden, warnt Ristkok. Für die Produktion von Biokraftstoffen würden bereits 5% der weltweiten Düngermengen verbraucht; die alternativen Kraftstoffe stellten aber nur 4% der Transportkraftstoffe. Dem Verband zufolge verwendet Indonesien bereits fast ein Fünftel seiner gesamten Düngermenge für die Herstellung von Biokraftstoffen; in den USA seien es rund 10%.

Es sei schwer, die Biokraftstoffproduktion zu erhöhen, ohne dabei mit Nahrungspflanzen zu konkurrieren, warnt Ristkok. Um weltweit eine Beimischungsquote von 20% zu erreichen – wie von Ländern wie Indonesien und Brasilien angestrebt – würden weitere 130 Mio. Hektar Land benötigt; das entspreche der gesamten Fläche Südafrikas. Dies würde zum Verlust von Ökosystemen führen, und die zu befürchtende Abholzung von Wäldern würde deutlich mehr CO₂-Emissionen verursachen als die fossilen Brennstoffe, die sie ersetzen. AgE

Beitrag teilen: |

Partner

Newsletter

Abonnieren Sie unsere Newsletter und bleiben Sie immer auf dem Laufenden, bei den Themen, die Sie interessieren!

Zur Anmeldung: