Seit 1879 Lebensmittelindustrie und Milchwirtschaft

Naturschützer hält Veganismus für Irrweg

16. Juni 2023

Der BN-Ehrenvorsitzende äußert sich kritisch zu veganer Ernährung – Grünland nur durch Wiederkäuer nutzbar – Grasende Wiederkäuer sind Klimaschützer – Weiger befürwortet die Kombihaltung – Interview sorgt für Aufregung – BN veröffentlicht Position zum Thema Tierhaltung und Veganismus

Foto: pixabay

Der Ehrenvorsitzende des BUND Naturschutz (BN) in Bayern, Prof. Hubert Weiger, lehnt eine vegane Ernährung ab. „Veganismus als Leitbild ist ein zentraler Angriff auf bäuerliche Strukturen“, so der Naturschützer vergangene Woche in einem Interview mit BR24. Weiger reagierte mit seiner Aussage darauf, dass die Jugendorganisation des BN gefordert hatte, auf BUND-Veranstaltungen nur noch vegane Gerichte zu servieren. Wiederkäuer könnten im Gegensatz zu anderen Tieren und zum Menschen Gras fressen und dieses in Nahrungsmittel umwandeln – damit also Grünland nutzbar machen, erläuterte Weiger. Durch die Weidetierhaltung werde das Grünland erhalten und gepflegt, sowie auch viele alte Nutztierrassen. Wenn Wiederkäuer auf Grünland grasen, sind sie Weiger zufolge keine Klimakiller; die Tiere würden im Gegenteil das Klima schützen. „Grünland ist durch die Wurzelmasse im Boden ein lebender Humuskörper und Kohlenstoffspeicher, und gleichzeitig sind Wiesen und Weiden die artenreichsten Lebensräume, die wir haben“, erklärte der BN-Ehrenvorsitzende gegenüber dem BR24. Allerdings sieht es Weiger kritisch, wenn Kühe in großen Ställen stehen und statt mit Gras mit Mais, Getreide und Soja gefüttert werden. Die in Bayern beliebte Kombihaltung, bei der Tiere im Sommer auf der Weide und im Winter angebunden im Stall stehen, befürwortet er hingegen. Damit könnten auch kleine Betriebe, denen die Mittel für neue Ställe oder Umbauten fehlten, ihren Tieren den Gang auf die Weide ermöglichen, so der Naturschützer. Der Artikel auf BR24 hatte für Aufregung gesorgt, da in der ersten veröffentlichten Version die Aussage „Esst Fleisch“ als direktes Zitat des BN-Ehrenvorsitzenden enthalten war. Da Weiger dies laut BR aber nicht wörtlich gesagt hatte, wurde dies im Artikel korrigiert.

Klarstellung der Verbandsposition

Der BN stellte anschließend gemeinsam mit dem Ehrenvorsitzenden und dem Landesvorstand der Jugendorganisation seine Position zum Thema klar, da im Beitrag des BR „durch Verkürzungen missverständliche Formulierungen entstanden“ seien. „Eine vegane Ernährungsweise ist eine individuelle Entscheidung, die auch dazu beiträgt, die Produktion und den Konsum tierischer Produkte zu verringern“, heißt es in der Stellungnahme. Damit leiste sie einen Beitrag dazu, die „durch industrielle Tierhaltung entstehenden Umwelt- und Klimaprobleme“ zu verringern. Der BN lehnt eigenen Angaben zufolge jede Form der „industriellen Massentierhaltung“ ab und setzt sich für eine Ernährungsweise ein, bei der Fleisch und andere tierische Produkte „ausschließlich aus artgerechten und ökologisch angepassten Haltungsformen stammen“. Die bayerische Naturschutzorganisation mache sich daher seit Jahrzehnten auch für eine mengenmäßig deutlich reduzierte Tierhaltung stark. AgE

Beitrag teilen: |

Partner

Newsletter

Abonnieren Sie unsere Newsletter und bleiben Sie immer auf dem Laufenden, bei den Themen, die Sie interessieren!

Zur Anmeldung: