Russland wirbt um Afrikas Märkte
Russland und die afrikanischen Länder wollen den gegenseitigen Agrarhandel weiter ausbauen. Das ist die Hauptbotschaft des dritten Russland-Afrika-Forums, das Ende Oktober in Moskau stattfand. Kreml-Chef Wladimir Putin präsentierte sich auf der Veranstaltung als „einer der zuverlässigsten Garanten der Ernährungssicherheit auf dem afrikanischen Kontinent“. Mehr als 40 afrikanische Staaten erhielten bereits russischen Dünger und Getreide, betonte Putin. Russland sei bereit, künftig noch mehr Länder zu beliefern.

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Den gesamten Handelsumsatz zwischen Russland und den afrikanischen Ländern bezifferte Putin für 2025 auf 27 Mrd. $ (24 Mrd. Euro); im Jahr 2018 habe diese Summe bei 18 Mrd. $ (16 Mrd. Euro) gelegen. Der Staatschef zeigte sich überzeugt, dass dieser Betrag „in naher Zukunft“ weiter erhöht werden könne; eine Verdopplung sei durchaus möglich.
Laut Putin hat Russland 2025 mehr als 18,8 Mio. Tonnen Getreide nach Afrika geliefert. In den ersten neun Monaten dieses Jahres seien es 13 Mio. Tonnen gewesen und damit 8% mehr als im Vorjahreszeitraum. Davon seien allein 5,9 Mio. Tonnen auf den ägyptischen Markt geliefert worden, 1,5 Mio. Tonnen in den Sudan und 1,2 Mio. Tonnen nach Kenia. Potenzial sieht der Kreml-Chef aber auch beim Import von Agrargütern aus Afrika nach Russland. Dieser umfasse derzeit ein geschätztes Jahresvolumen von 4 Mrd. $ (3,6 Mrd. Euro) und decke rund 8% des russischen Importbedarfs in diesem Segment.
Russlands Föderale Behörde für Veterinär- und Pflanzenschutzüberwachung (Rosselchoznadzor) hat nach eigenen Angaben von Januar bis September 2026 bei der Einfuhr aus afrikanischen Ländern fast 1,2 Mio. Tonnen Agrarprodukte kontrolliert. Die wichtigsten Lieferantenländer waren Ägypten mit 742.400 Tonnen, Südafrika mit 313.100 Tonnen und Marokko mit 47.200 Tonnen.
Ernährungssouveränität schaffen
Eine der wichtigsten Aufgaben für den afrikanischen Kontinent sei es, sich selbst mit Nahrung zu versorgen, hob Putin hervor. Russland biete dafür Saatgut, Düngemittel, Landtechnik sowie Möglichkeiten zum Transport sowie der Lagerung und Verarbeitung von Lebensmitteln an. Es gebe Pläne, in einigen Ländern des Kontinentes Zentren für landwirtschaftliche Produkte und Ausrüstung zu errichten, erklärte der Staatschef. Große russische Unternehmen seien auf dem Kontinent bereits erfolgreich tätig, um die Entwicklung der Landwirtschaft voranzutreiben.
Das Agroexport-Zentrum des Moskauer Landwirtschaftsministeriums schätzt das Potenzial für russische Exporte von Getreide und Hülsenfrüchten nach Afrika bis 2030 auf etwa 6 Mrd. $ (5,4 Mrd. Euro). Im vergangenen Jahr lag der Ausfuhrwert bei 4,4 Mrd. $ (3,9 Mrd. Euro).
Potenziale erschließen
Der Vorsitzende der Kommission der Afrikanischen Union (AUC), Mahmoud Ali Youssouf, wies darauf hin, dass die Länder seines Kontinents pro Jahr Lebensmittel im Wert von etwa 100 Mrd. $ (89,8 Mrd. Euro) zukauften. Importiert würden hauptsächlich Reis, Mais, Weizen und tierische Fette. „Wir glauben, dass Afrika mehr produzieren kann, indem es seine eigene Wertschöpfungskette aufbaut“, sagte Youssouf. Der afrikanische Kontinent verfüge zwar über 600 Mio. Hektar Landwirtschaftsfläche, aber nur 6% davon seien bewässert und könnten genutzt werden.
Um diese Zahl zu erhöhen, benötige die Landwirtschaft des Kontinents einen strukturellen Wiederaufbau, unterstrich Youssouf. Der russische Agrarsektor könne eine wichtige Rolle dabei spielen, die Agrarproduktion in Afrika zu steigern und bestehende Potenziale gezielt zu erschließen. Afrika habe die Ressourcen, brauche aber Know-how, Kompetenzen und Erfahrung. AgE
