Seit 1879 Lebensmittelindustrie und Milchwirtschaft

Reduktionsziele für Zucker, Fette und Salz: Industrie fordert mehr Transparenz

5. Dezember 2024

Der Lebensmittelverband Deutschland hat die Ergebnisse des vom MRI durchgeführten Stakeholder-Prozesses kritisiert. Dessen Ziel war es, wissenschaftlich untermauerte Reduktionsziele für Zucker, Fette und Salz in Lebensmitteln abzuleiten. Die Wirtschaft fühlt sich nicht genug eingebunden und fordert mehr Transparenz.

Der Lebensmittelverband Deutschland hat den Stakeholder-Prozess des Max Rubner-Instituts (MRI), in dessen Rahmen Reduktionsziele für Zucker, Fette und Salz in Lebensmitteln abgeleitet wurden, jetzt erneut stark kritisiert. Bei der Erarbeitung dieser Reduktionsziele sei die Wirtschaft nicht ausreichend eingebunden worden. Die kürzlich vorgelegten Ergebnisse spiegelten daher „keineswegs einen Konsens wider“, betonte Verbandshauptgeschäftsführer Christoph Minhoff am Freitag (29.11.) in Berlin.

Minhoff appellierte an die Politik, im Dialog mit allen relevanten Akteuren „evidenzbasierte, wirtschaftlich tragfähige und gesellschaftlich akzeptierte Lösungen zu entwickeln und nicht scheinbar partizipative Prozesse zu starten, deren Ergebnisse vorher schon festgelegt sind“. Vor allem habe es an Transparenz gemangelt. Die Lebensmittelwirtschaft sei in den entscheidenden Phasen des Prozesses ausgeschlossen worden, so die Kritik. Die vorgeschlagenen Maßnahmen gefährden aus Verbandssicht nicht nur die wirtschaftliche Stabilität vieler Unternehmen, sondern auch die Wahlfreiheit der Kunden.

Die Verbände hatten sechs Wochen Zeit, um die Ergebnisse zu kommentieren. In seiner Stellungnahme hat der Branchenverband unter anderem statt regulatorischer Eingriffe Aufklärung und freiwillige Ansätze gefordert. Darüber hinaus berge die Reformulierung der Produkte das Risiko für Absatzverluste durch fehlende Akzeptanz der Kundschaft. Im schlimmsten Fall könnten Importprodukte, die nicht den Reduktionsvorgaben unterliegen, traditionelle Produkte verdrängen, warnt der Lebensmittelverband.

Reduktionsziele für wichtige Lebensmittelgruppen

In den unterschiedlichen Segmenten hatte das Max-Rubner-Institut auch konkrete Orientierungswerte vorgestellt. Beispielsweise erscheint den Beteiligten bei Colagetränken eine Zuckerreduktion um circa 15% verglichen mit dem jeweiligen Ausgangszuckergehalt für die meisten Produkte kurzfristig umsetzbar. Beim Salz wird unter anderem eine Reduktion des mittleren Kochsalzgehalts von 10% bei gegarten Wurstwaren vorgeschlagen.

Das MRI war 2023 vom Bundeslandwirtschaftsministerium mit dem Prozess beauftragt worden. Dem Berliner Agrarressortchef Cem Özdemir sind diese wissenschaftlich fundierten Reduktionsziele eigenen Angaben zufolge ein besonderes Anliegen. Am Prozess waren laut MRI rund 100 Personen aus verschiedenen Fachbereichen der Wissenschaft und aus Fachverbänden der Lebensmittelwirtschaft einbezogen. AgE

 

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