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Aldi und Lidl: Trinkmilch ab 2024 nur noch aus höheren Haltungsstufen

17. August 2023

Umstellung des Warensortiments auf Haltungsform 3 und 4 kommt schneller als geplant – Enge Zusammenarbeit mit Partnern in der Lieferkette macht schnelleren Umstieg möglich – Molkereien bereiten sich vor – VMB sorgt sich um bayerische Milchbauern

Foto: ALDI

Die Discounter Aldi und Lidl preschen bei der Umstellung ihres Warensortiments auf höhere Tierhaltungsstufen vor. Bereits im Frühjahr 2024 würden Aldi Nord und Aldi Süd Trinkmilch ihrer Eigenmarken ausschließlich aus den höheren Haltungsformen 3 und 4 anbieten, teilte der Discounter am vergangenen Montag (7.8.) mit. Zwei Tage später konterte der Wettbewerber Lidl und kündigte an, sein gesamtes Sortiment an „festgelistetem Rinderfrischfleisch“ zwischen Oktober 2023 und Frühling 2024 mindestens auf die Haltungsstufe 3 umzustellen. Damit werde Lidl Deutschland als erster Händler im Bereich Supermärkte und Discounter sein Angebot für frisches Rindfleisch vollständig auf deutlich höhere Tierwohlstandards umstellen. Zudem werde ab 2024 auch das komplette Angebot bei den Eigenmarken von Frischmilch und laktosefreier Milch den Kriterien der Haltungsstufen 3 oder 4 entsprechen. Im kommenden Jahr erfolge darüber hinaus die Umstellung der haltbaren Milch auf die höhere Haltungsstufe 3. Lidl betonte, dass seine Trinkmilch weiterhin zu 100 % aus Deutschland stamme. „Dieser bedeutende Schritt in der Weiterentwicklung unseres Sortiments zeigt: Das Thema Tierwohl ist ein wichtiges Thema für uns und für unsere Kunden. Daher setzen wir es konsequent um“, erklärte Lidl-Geschäftsleiter Ware, Christoph Graf. Dies sei nur in vertrauensvoller und konstruktiver Zusammenarbeit mit den Partnern in der Landwirtschaft und in den Lieferketten möglich. Denn nur mit der Bereitschaft der Produzenten, ihre Betriebe entsprechend umzubauen, könne die Transformation zu mehr Tierwohl gelingen.

Haltungsform 3 wird zum Mindeststandard

Aldi hob hervor, dass sein Programm #Haltungswechsel schneller vorangehe als geplant. Ziel sei es gewesen, bis 2030 Frischfleisch, Trinkmilch sowie gekühlte Fleisch- und Wurstwaren der Eigenmarken ausschließlich aus den höheren Haltungsformen 3 und 4 zu verkaufen. Bei der Trinkmilch werde dies nun sechs Jahre früher erreicht. Derzeit liegt dem Handelsunternehmen zufolge der Umsatzanteil von Trinkmilch aus höheren Haltungsstufen bereits bei mehr als 60 %. „Dass wir bereits im kommenden Jahr 100 % unserer Milch aus den höheren Haltungsformen anbieten können, unterstreicht unsere Vorreiterrolle beim Tierwohl“, betonte die nationale Nachhaltigkeitsdirektorin bei Aldi Süd, Dr. Julia Adou. Jetzt sei es wichtig, dass weitere Händler nachzögen, denn die Transformation der Landwirtschaft gelinge nur gemeinsam. Laut dem Director Stakeholder Relations bei Aldi Nord, Marc Sagel, konnten durch die enge Zusammenarbeit mit den Lieferanten die entsprechenden Mengen Trinkmilch aus höheren Haltungsformen frühzeitig gesichert werden. „Die Haltungsform 3 wird somit bei ALDI zum neuen Mindeststandard unserer Trinkmilch“, erklärte Sagel. 

Molkereien stehen bereit

Bei beiden Discountern gibt es jedoch Ausnahmen von den höheren Haltungsstufen. So spricht Lidl nur von „festgelistetem“ Rindfleisch; internationale Spezialitäten sind ausgenommen. Bei der Trinkmilch betrifft die Umstellung nur die Eigenmarken, nicht aber Markenartikel. Der größte Teil der Trinkmilch wird jedoch aus der tiergerechteren Erzeugung in Deutschland stammen. Dies ist auch bei den Molkereien zu spüren, die sich vorbereiten. So teilte Hochwald Foods in seiner Milch-Info im August mit, dass die Audits für die Haltungsstufe 3 auf den Höfen im vollen Gange seien und Ende September abgeschlossen würden. Der Umstellungsprozess in den Werken sei angelaufen und ab Mitte Oktober könne „ein signifikantes Volumen“ von Haltungsform 3 Milch verarbeitet und verkauft werden. Ab November soll den Milchbauern dafür ein Zuschlag ausgezahlt werden. 

Bedenken bei bayerischen Milchbauern

Der Verband der Milcherzeuger Bayern (VMB) sieht die schnelle Einführung der höheren Haltungsformen mit Sorge, da sie für viele der gut 24 000 Milchbauern im Freistaat zu einer echten Existenzfrage werde. Neben den rund 12 000 Anbindehaltern würden nämlich auch die Betriebe mit Boxenlaufställen ohne Außenklimanreize die notwendigen Kriterien für die Haltungsstufe 3 nicht mehr erfüllen. Die Milch solle ja zukünftig bei Aldi und bei Lidl zu 100 % aus Deutschland kommen, aber eben dann weniger aus dem südlichen Deutschland einschließlich Bayern, befürchtet der VMB. Sollten andere Handelsketten folgen, was wahrscheinlich sei, spielten die Haltungsformen 1 und 2 für die Eigenmarken in der gesamten Trinkmilch im Lebensmitteleinzelhandel keine Rolle mehr. Diese Milch könne zwar weiter vermarktet werden, denn Trinkmilch sei nur ein kleines Segment. „Aber wenn die Haltungsform 3 bei Trinkmilch Mindeststandard werden soll, ist eine 2 bei anderen Verwertungen wie Käse eben keine wirkliche Werbung für Mehrwert in Sachen Tierwohl mehr“, gab der VMB zu bedenken. AgE

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