Seit 1879 Lebensmittelindustrie und Milchwirtschaft

Besseres Verständnis vom Tierwohllabel erhöht Zahlungsbereitschaft

10. August 2023

Marktforschung der Universität Göttingen und HSWT – Verständnis von Labeln bei Verbrauchern lässt zu wünschen übrig – Nach Aufklärung ein weiteres Viertel der Teilnehmer zu Mehrzahlung für Tierwohl bereit – Akzeptanz von Haltungsform steigt ebenfalls -Information über Etikettierung entscheidend für Wirksamkeit

Image by Simon from Pixabay

Je besser Kundinnen und Kunden die Bedeutung von Tierwohllabels verstehen, desto eher greifen sie auch für Tierwohlprodukte tiefer in die Tasche. Zu diesem Ergebnis kommt eine neue Studie unter Federführung von Wissenschaftlerinnen der Universität Göttingen und der Hochschule Weihenstephan-Triesdorf (HSWT). Demnach waren gut 85 % der Probanden nach einer umfassenden Aufklärung über die Bedeutung der Labels dazu bereit, für eine 500 g Packung Schweinehackfleisch der Haltungsstufe 3, mehr als 2,99 Euro zu zahlen. Ausgehend von den rund 60 %, die bereits vor Empfang der Informationen angaben, dazu bereit zu seien, ist dies ein Anstieg von gut 25 %. Nach Ansicht der Wissenschaftlerinnen ist es ist es daher entscheidend, Verbraucher gezielt über die Labels aufzuklären um deren volles Potential auszuschöpfen. Den Forscherinnen zufolge verstehen viele Verbraucher die Label oftmals nur unzureichend, wodurch diese nicht ihre volle Wirkung entfalten können. Hieran setzte die in der Fachzeitschrift „Journal of Agriculture and Food Research“ veröffentlichte Studie an und untersuchte, wie Informationen die Wirksamkeit der Labels steigern könnten.

Klarer Effekt bei jeder Form der Informationsvermittlung

Laut den Wissenschaftlerinnen wurden dabei insgesamt 200 Personen zur Haltungsform-Label-Stufe 3 – Außenklima – am Beispiel der Schweinehaltung befragt. Die Probanden erhielten Informationen zu dieser Kennzeichnung in vier verschiedenen Formen: Text, Text mit Bildern, Text mit 360-Grad-Video via Tablet sowie Text mit 360-Grad-Video via Virtual-Reality-Brille. Anschließend untersuchten die Forscherinnen, wie sich die Informationsform auf das Verständnis, die Bewertung des Labels und die Kauf- und Zahlungsbereitschaft von damit gekennzeichnetem Schweinehackfleisch auswirkt. Die Ergebnisse zeigten, dass sich weitgehend unabhängig von der Informationsform die Verständlichkeit der Labels, die Bewertung des Tierwohls und die Akzeptanz der Haltungsform deutlich verbessern. In Folge stieg auch die Kauf- und Zahlungsbereitschaft für damit gekennzeichnete Produkte deutlich an.

Kommunikation der Labels „verbesserungswürdig“

„Die anfangs schlechte Verständlichkeit des Labels und der deutliche Effekt aller vier Informationsformen zeigen, dass die Kommunikation des Labels stark verbesserungswürdig ist“, resümierte die Erstautorin der Studie, Aurelia Schütz. Denkbar für eine Umsetzung im Supermarkt wäre ihr zufolge beispielsweise ein Informationsmix aus Text, Bild und Video, ergänzt um einen QR-Code zum Video für zu Hause. So könnten die Menschen individuell entscheiden, wie und wo sie sich informieren wollten. AgE

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