Seit 1879 Lebensmittelindustrie und Milchwirtschaft

China: Rekordausgaben für Agrarimporte

23. Februar 2022

China kaufte 2021 Agrar- und Ernährungsgüter am Weltmarkt für fast 197 Milliarden Euro – Größere Importmengen und -preise treiben die Einfuhrrechnung nach oben – Bezug von Sojabohnen leicht gesunken – Rekordmenge an Getreide eingeführt – Fleischimport wegen wachsender Schweineproduktion rückläufig – Bedarf an Milchprodukten nach Corona wieder gestiegen – Agrarexporterlöse der Volksrepublik legen ebenfalls zu

Foto: Pixabay

China als global wichtigster Importeur von Gütern der Agrar- und Ernährungswirtschaft hat seine Einfuhren im vergangenen Jahr in vielen Warenbereichen weiter gesteigert. Aufgrund der meist höheren Weltmarktpreise fiel die Einfuhrrechnung so hoch aus wie niemals zuvor. Laut vorläufigen Daten der Zollstatistik wurden 2021 landwirtschaftliche Erzeugnisse im Wert von 219,8 Mrd $ oder umgerechnet 196,7 Mrd Euro bezogen; das waren 43,8 Mrd Euro oder 28,7 % mehr als im Vorjahr. Im Jahr 2020 waren die Importausgaben bereits um 14 % gestiegen, 2019 um 10,0 %. Wichtigstes Einfuhrgut blieben Sojabohnen. Allerdings nahm deren Bezugsmenge gegenüber dem Rekordjahr 2020 um 3,8 % auf 96,5 Mio t ab. Die Importeure mussten dafür 47,9 Mrd Euro zahlen; das waren trotz kleinerer Menge 35,4 % mehr als 2020. Die importierten Bohnen werden in China vor allem zu Sojaschrot verarbeitet, das dann in die Fütterung der Schweine- und Geflügelbestände geht. Zwar hat der Schweinebestand 2021 in China zugenommen, doch wurden aufgrund des teuren Sojas und der gefallen Schlachtschweinepreise laut Analysten die Futterrationen zugunsten des preiswerteren Getreides verändert. Dies hatte – neben witterungsbedingten Ernteausfällen – zur Folge, dass die Getreideimporte Chinas insgesamt um 84,1 % auf 65,4 Mio t nach oben schnellten. Da auch diese Produktgruppe gegenüber 2020 mit Preisaufschlägen gehandelt wurde, stiegen die Importausgaben dafür um 113,1 % auf 17,9 Mrd Euro. Insbesondere orderten die Chinesen mehr Mais am Weltmarkt; die Rekordeinfuhrmenge lag mit 28,4 Mio t um 150 % über dem Vorjahresniveau. Zudem verdoppelten sich die Importe von Sorghum auf 9,4 Mio t, während die Weizeneinfuhren um 16,6 % auf den neuen Höchststand von 9,8 Mio t zunahmen.

Geringerer Importbedarf an Schweinefleisch

Bei den Lebensmitteln tierischen Ursprungs waren in den vergangenen Jahren vor allem die Bezugsmengen und Ausgaben im Bereich Fleisch spürbar gestiegen, was auf die Angebotslücken wegen der Afrikanischen Schweinepest (ASP) zurückzuführen war. Den Daten der Zollbehörde zufolge war der Fleischimport Chinas 2021 nun erstmals seit langem im Vorjahresvergleich wieder rückläufig, und zwar um 531 000 t oder 5,4 % auf 9,38 Mio t. Dies war auf die geringeren Käufe von Schweinefleisch am Weltmarkt zurückzuführen, die einschließlich Nebenerzeugnissen mit rund 5,0 Mio t um 12,7 % unter der Vorjahresmenge blieben. Bei den entsprechenden Importausgaben war ein Minus von 11,3 % auf 11,8 Mrd Euro zu verzeichnen. Laut chinesischer Regierung ist die eigene Schweinefleischerzeugung 2021 um 28,6 % auf 53,0 Mio t gestiegen, was den Importbedarf merklich abgeschwächt hat. Für 2022 sagten Analysten des amerikanischen Landwirtschaftsministeriums (USDA) zuletzt einen weiteren Rückgang der Schweinefleischeinfuhren Chinas um 5 % voraus. Bei den anderen Fleischarten nahm der internationale Bezug der Volksrepublik dagegen zu, bei Rindfleisch um 10,3 % auf 2,36 Mio t und wertmäßig um 23,0 % auf 11,3 Mrd Euro. Für 2022 werden weiter anziehende Rindfleischimporte erwartet, vor allem aus Brasilien.

Mehr Milchpulver eingeführt

Die Nachfrage Chinas nach Milchprodukten vom Weltmarkt gewann nach Lockerung von Corona-Auflagen und Öffnung von Häfen wieder deutlich an Schwung. Die Einfuhrmenge legte 2021 im Vorjahresvergleich um 17,2 % auf 3,95 Mio t zu. Für die Einfuhrausgaben wird vom Zoll allerdings ein schwächerer Anstieg von 10,6 % auf 12,37 Mrd Euro ausgewiesen, was angesichts des Preisanstiegs am Weltmarkt etwas verwundert. Wichtigstes Molkereiprodukt beim globalen Warenbezug für die Volksrepublik ist Milchpulver. Hier legten die Importe gegenüber 2020 um 17,6 % auf 1,54 Mio t zu, wofür fast 8 Mrd Euro bezahlt wurden. Zudem orderten die internationalen Einkäufer in China im Vorjahresvergleich auch mehr Zucker, Obst, Nüsse und pflanzliche Speiseöle. Zu den Produkten, die weniger importiert wurden, gehörten Aquaerzeugnisse sowie Bier und Wein. Die chinesische Regierung hatte im vergangenen Jahr aus politischen Gründen hohe Einfuhrzölle für Wein des Hauptlieferanten Australien eingeführt, was zum Rückgang der Gesamteinfuhr einschließlich Likören um 9,5 % auf 426,6 Mio l beitrug.

Kräftiges Agraraußenhandelsdefizit

Nicht nur der Wert der Agrareinfuhren Chinas ist im vergangenen gestiegen, sondern auch die Einnahmen aus der Ausfuhr landwirtschaftlicher Güter. Laut Zollstatistik spülte der Agrarexport den chinesischen Anbietern insgesamt 75,5 Mrd Euro in die Kassen; das waren rund 7,4 Mrd Euro oder 10,9 % mehr als im Jahr zuvor. Umsatzmäßig wichtiges Exportgut waren einmal mehr die Aquaprodukte, deren Verkaufswert gegenüber 2020 um 15,1 % auf 19,3 Mrd Euro stieg. Bemerkenswert ist, dass dabei die Ausfuhrmenge praktisch unverändert blieb und sich die Mehreinnahmen ausschließlich aus den höheren Preisen generierten. Bei der zweitbedeutendsten Warengruppe Gemüse fiel der Anstieg der Exporterlöse mit 2,9 % auf 11,0 Mrd Euro nur unterdurchschnittlich aus. Das lag daran, dass wegen einer nicht so guten Ernte die Ausfuhrmenge im Vorjahresvergleich um 11,6 % auf rund 9,0 Mio t abnahm. Auch bei Obst sowie Gemüse und Obst in Dosen mussten die chinesischen Exporteure Absatzeinbußen hinnehmen, während die global verkaufte Menge an Reis und Tee um 5,2 % beziehungsweise 5,9 % zunahm. Weil sich der Importwert der Agrareinfuhren 2021 deutlich stärker erhöhte als die Exporterlöse, hat sich die Agraraußenhandelsbilanz der Volksrepublik weiter verschlechtert. Das Defizit wuchs gegenüber 2020 um 36,4 Mrd Euro oder 43,0 % auf den Rekordwert von 121,2 Mrd Euro. AgE

Umrechnungskurs: 1 $ = 0,8947 Euro

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