Diskussion um hoch verarbeitete Nahrungsmittel
Kritik vom Lebensmittelverband: Die Branchenorganisation mahnt wissenschaftliche Differenzierung an.

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Der Lebensmittelverband Deutschland hat einer aktuellen Veröffentlichung im Fachjournal „The Lancet“ widersprochen, in der hoch verarbeitete Lebensmittel als zentrale Bedrohung der öffentlichen Gesundheit eingestuft werden. Die im Beitrag genutzte Klassifizierung und die daraus abgeleiteten gesundheitlichen und politischen Schlussfolgerungen seien wissenschaftlich nicht belegt und würden die Bedeutung moderner Lebensmittelverarbeitung für Sicherheit, Qualität, Innovation und gesellschaftliche Teilhabe verkennen, erklärte der Verband.
Der Lebensmittelverband plädiert für Ernährungsbildung statt Verbote, Produktoptimierung statt Stigmatisierung, wissenschaftlich fundierte Bewertung statt vereinfachender Kategorisierung und den Dialog zwischen Politik, Wissenschaft und Wirtschaft.
Es geht auch um Agrarsubventionen
Laut dem Lancet-Beitrag, der mehrere Artikel internationaler Forscher unter anderem aus Brasilien und Australien zusammenfasst, ist ein umfangreicher Konsum an hoch verarbeiteten Lebensmitteln mit einem erhöhten Risiko für Adipositas, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und andere Erkrankungen verbunden. Weil die Produkte schmackhaft seien und aggressiv vermarktet würden, komme es zu wiederholtem Konsum. Dadurch würden traditionelle, nährstoffreiche Lebensmittel verdrängt. Hinzu komme, dass Menschen in wirtschaftlich schwierigen Lagen tendenziell mehr hoch verarbeitete Lebensmittel konsumierten. Dadurch verstärkten sich soziale Ungleichheiten.
Erzeugt würden hoch verarbeitete Lebensmittel auf Basis billiger Rohstoffe wie Mais, Weizen, Soja und Palmöl und einer breiten Palette von Lebensmittelzusatzstoffen, heißt es im Artikel. Und diese Verarbeitung werde von wenigen transnationalen Konzernen kontrolliert. Um die Produktion von hoch verarbeiteten Lebensmitteln unattraktiver zu machen, sollten die Steuern auf diese Produkte angehoben werden. Zudem sollten große, transnationale Konzerne weniger Agrarsubventionen bekommen. Stattdessen sei die regionale Erzeugung stärker zu fördern. AgE