Seit 1879 Lebensmittelindustrie und Milchwirtschaft

E20 könnte Entlastung bringen

19. Mai 2026

BDBe-Vorsitzender Alois Gerig begrüßt die geplante vorgezogene Einführung des Ottokraftstoffes E20. Dies könne auch die niedrigen Zuckerpreise stabilisieren, so der ehemalige Bundestagsabgeordnete. Die Ethanolwirtschaft könne wie ein „Ventil“ wirken und Landwirten einen weiteren Absatzweg anbieten.

Foto: pixabay

Die Einführung des Ottokraftstoffes E20 in Europa könnte dazu beitragen, Druck vom Zuckermarkt zu nehmen. Davon geht zumindest der Vorsitzende des Bundesverbandes der deutschen Bioethanolwirtschaft (BDBe), Alois Gerig, aus. „Sobald E20 flächendeckend verfügbar ist, wäre das sowohl für die Bioethanolbranche als auch für die heimische Landwirtschaft ein großer Vorteil“, sagte Gerig im Interview mit AGRA Europe.

„Ventil“ für zu viel Zucker und Getreide

Gerig bezog sich dabei auf die jüngste Ankündigung der EU-Kommission, E20 – also Benzin mit einem Bioethanolanteil von 20 % – bereits Anfang 2027 zulassen zu wollen. Nach Einschätzung des ehemaligen Bundestagsabgeordneten könnte die zusätzliche Nachfrage nach Ethanol aus Zucker „ein wichtiges Ventil sein, um über zusätzliche Nachfrage den Preis zu stabilisieren“.

Ähnliches gilt laut Gerig auch für Getreide. „Trotz der Lage im Nahen Osten liegt der Weizenpreis aktuell noch immer unter 200 Euro pro Tonne“, erklärte er. Gerade in Zeiten niedriger Preise oder bei minderwertigem Getreide sei die Verwertung über die Ethanolproduktion ein sinnvoller Absatzweg.

Kein „Tank-oder-Teller“-Konflikt

Gerig verwies zudem darauf, dass die technischen Voraussetzungen für die Verwendung von E20 inzwischen weitgehend geschaffen seien. Volkswagen erlaube E20 rückwirkend bis zum Baujahr 2015, auch bei BMW und Mercedes-Benz sei E20 bereits als kompatibel ausgewiesen. Deutschland gehöre zudem zu den wenigen europäischen Ländern, in denen E5 noch Standard an den Tankstellen sei. Würde künftig E10 diese Rolle übernehmen, entstünde an der Zapfanlage Platz für E20.

Einen „Tank-oder-Teller“-Konflikt sieht Gerig bei der energetischen Verwertung von Biomasse, etwa für Biokraftstoffe, nicht. „Lassen wir diese Diskussion hinter uns und geben wir den Bauern die Chance, für einen funktionierenden Nachfragemarkt zu produzieren“, forderte Gerig. AgE

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