Seit 1879 Lebensmittelindustrie und Milchwirtschaft

Erdbeben senkt Lebensmittelproduktion um schätzungsweise 20 Prozent

von | 11. April 2023

Die getroffene Region erwirtschaftete fast 15 Prozent des landwirtschaftlichen Bruttoinlandprodukts und trug zu fast einem Fünftel der türkischen Agrarexporte bei – Unterbrochene Lieferketten und Finanznöte verschlimmern die Lage für die Familien in den ländlichen Gebieten – Zu Syrien ist die Schadensbewertung durch die FAO noch im Gange

Foto: pixabay

Die verheerenden Erdbeben im Süden der Türkei und im Norden Syriens am 6. Februar haben auch schwere Schäden in der Landwirtschaft sowie an der ländlichen Infrastruktur in den betroffenen Gebieten verursacht. Die Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) schätzt aktuell für die Türkei, dass mehr als 20 % der Lebensmittelproduktion des Landes betroffen sind. Die vom Erdbeben getroffene Region, die als „fruchtbarer Halbmond“ der Türkei bekannt sei, erwirtschafte fast 15 % des landwirtschaftlichen Bruttoinlandproduktes und trage zu fast 20 % der türkischen Agrarexporte bei, berichtete die FAO in Rom. Nach ihren Angaben hat in der Türkei das Erdbeben elf wichtige landwirtschaftliche Provinzen schwer in Mitleidenschaft gezogen. Rund 15,7 Millionen Menschen und damit mehr als ein Drittel der Bevölkerung in diesen am stärksten betroffenen Provinzen lebten in ländlichen Gebieten und seien für den Lebensunterhalt auf die Landwirtschaft angewiesen. Unterbrochene Versorgungsketten und finanzielle Probleme verschlimmerten die Schwierigkeiten der ländlichen Familien, einen Zugang zu Produktionsmitteln zu erhalten und sich diese leisten zu können. Deshalb seien sie nicht in der Lage, ihre Grundbedürfnisse zu befriedigen. Erste Einschätzungen deuten laut FAO auf erhebliche Folgen für die türkische Landwirtschaft hin, wobei vorläufige Schätzungen von einem Verlust in Höhe von rund 5 Mrd Euro für den Sektor ausgehen.

Fischproduktion ebenfalls beeinträchtigt

Unter Schäden werden der FAO zufolge die Wiederbeschaffungs- oder Reparaturkosten für ganz oder teilweise zerstörte Sachwerte und Vorräte wie landwirtschaftliche Infrastruktur, Vieh und Ernten verstanden. Ein Verlust hingegen bezieht sich auf die wirtschaftlichen und produktiven Folgen des Schadens, wie zum Beispiel die geringere Verfügbarkeit von Nahrungsmitteln und die höheren Lebensmittelpreise aufgrund des Wegfalls von gelagerten Ernten. Neben Gebäuden, Strukturen im Lebensmittelsektor, Ernten und Lagereinrichtungen hätten die Erdbeben auch wichtige Tierzucht- und Stallanlagen zerstört sowie zu Tierverlusten und Tierverletzungen geführt, berichtete die FAO. Neben dem Mangel an Unterkünften und einer Knappheit an Futtermittel komme ein gewachsenes Risiko der Maul- und Klauenseuche (MKS) hinzu. Auch die Fischproduktion sei stark beeinträchtigt; 34 Fischfarmen und drei Fischereihäfen seien zerstört beziehungsweise beschädigt worden.

Arbeitskräfteverlust

Zahlreiche land- und viehwirtschaftliche Aktivitäten seien aufgrund von Arbeitskräfteverlusten und -mangel zum Stillstand gekommen, stellte die FAO außerdem fest. Diese prekäre Situation gebe Anlass zu weiterer Sorge, da die Ernte 2023 näher rücke. Gebraucht würden jetzt dringend gut 100 Mio Euro für die unmittelbare und längerfristige Unterstützung der vom Erdbeben betroffenen Familien und Gemeinden in Kleinasien. In der Türkei starben durch das Erdbeben nach jüngsten amtlichen Angaben rund 48 500 Menschen. Zu Syrien teilte die FAO mit, dass die Bewertung der Schäden und Verluste im Gange sei. Diese werde in Kürze veröffentlicht, ebenso wie Pläne und Strategien zur Reaktion. AgE

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