Ermittlungen wegen Nutri-Score-Etikettierung und App Yuka
Italien hält an seinem Kurs gegen das von französischen Gesundheitsbehörden entwickelte Nährwertkennzeichnungssystem Nutri-Score fest. Die nationale Kartellbehörde leitete jetzt in Bezug auf die fünfstufige Farb- und Buchstabenskala auf Lebensmittelverpackungen und die App Yuka mehrere Ermittlungsverfahren ein.
Untersucht wird, ob sich Konsumenten von der Nährwertampel und der Yuka-Bewertung dazu verleiten lassen, den Produkten einen gesundheitlichen Nutzen beizumessen und danach ihre Lebensmittelauswahl treffen. Ins Visier der Wettbewerbshüter geraten sind die italienischen Supermarktketten GS, Carrefour Italia, Pescanova, Valsoia, die zwei französischen Unternehmen Dukan und Diet Lag, die englische Weetabix sowie ein deutscher Bonbonproduzent. Der Name des deutschen Unternehmens wurde auch auf Nachfrage nicht genannt; diesen dürfe man nicht sagen, hieß es.
Der französischen App Yuka wird vorgeworfen, ihre Ernährungsbewertungen zum Großteil vom Nutri-Score abzuleiten und dann Alternativen zu Produkten anzubieten, die als mittelmäßig bis mangelhaft bewertet worden seien. Die Kriterien, anhand derer die Alternativen vorgeschlagen würden, seien nicht klar definiert. Am Nutri-Score wiederum bemängeln die italienischen Kartellwächter, dass die Farbenampel ohne angemessene Hinweise von den Kunden fälschlicherweise als gesundheitliche Bewertung eines Produkts wahrgenommen werde, ungeachtet der spezifischen Bedürfnisse der jeweiligen Person.
Dies führe nicht zu einem abwechslungsreichen und ausgewogenen Ernährungsstil. Italien gilt in der EU als schärfster Gegner der Nährwertkennzeichnung Nutri-Score. Unterstützt wird diese dagegen unter anderem von Deutschland, Belgien, den Niederlanden und Spanien. Im Mai dieses Jahres hatte Italiens Landwirtschaftsminister Stefano Patuanelli mit Blick auf die EU mitgeteilt, man sei „jetzt dabei, unter anderem mit Slowenien, Zypern und Griechenland eine Sperrminorität zu bilden, um klar zu machen, dass diese Etikettierung die typischen Produkte der mediterranen Diät besonders stark in Schwierigkeiten bringen würde“. AgE