Seit 1879 Lebensmittelindustrie und Milchwirtschaft

Gesundheitsbündnis kritisiert Kampagne der Ernährungsbranche

14. November 2023

Im anhaltenden Streit um das geplante Kinder-Lebensmittel-Werbegesetz werden der Ernährungsindustrie nun Falschaussagen vorgeworfen.

Image by Ekaterina from Pixabay

Das Medizin- und Wissenschaftsbündnis Deutsche Allianz Nichtübertragbare Krankheiten (DANK) hat die aktuelle Kampagne von Verbänden der Lebensmittel- und Werbewirtschaft gegen das geplante Kinder-Lebensmittel-Werbegesetz (KLWG) scharf kritisiert. Mit einem erneuten Faktencheck widersprach das Bündnis am Montag (6.11.) zentralen Aussagen der Branchenverbände. Laut DANK gibt es unter anderem keine Grundlage dafür anzunehmen, dass schätzungsweise 70% aller Lebensmittel unter das Gesetz und damit Werbebeschränkungen fällen würden, wie die Verbände befürchten. „In Ermangelung repräsentativer Datenquellen kann aktuell nicht genau beziffert werden, welcher Anteil des hiesigen Lebensmittelangebots vom aktuellen Entwurf des BMEL tatsächlich betroffen wäre“, heißt es im Faktencheck. Unter der Federführung des Lebensmittelverbandes Deutschland und des Zentralverbandes der deutschen Werbewirtschaft (ZAW) hatten 34 Verbände kürzlich in einem Brief an Bundeslandwirtschaftsminister Cem Özdemir ihre Ablehnung gegen den aktuellen Referentenentwurf des KLWG bekräftigt. Zeitgleich hatte die Bundesvereinigung der Ernährungswirtschaft (BVE) zusammen mit Verbänden und Vermarktern der deutschen Werbewirtschaft eine Anzeigenkampagne mit dem Slogan „Bitte zu Ende denken“ gestartet, in der sie die Werbeverbote im Kampf gegen kindliches Übergewicht als „unwirksam“ kritisieren.

Wissenschaftliche Belege vorhanden

Auch die Aussage, Werbeverbote seien unwirksam im Kampf gegen kindliches Übergewicht will das Bündnis nicht unkommentiert stehen lassen. „In der wissenschaftlichen Literatur und unter Fachorganisationen herrscht einhelliger Konsens, dass Beschränkungen der Lebensmittelwerbung ein wichtiges Handlungsfeld zur Förderung gesunder Ernährung sind“, betonte DANK-Sprecherin Barbara Bitzer. Dass die Werbe- und Lebensmittelbranche sich so vehement gegen die Pläne wehre, zeigt für Bitzer nur, dass die geplanten Regelungen eine große Wirkung entfalten könnten. „Anders als die Branchenverbände es darstellen, gibt es umfassende Evidenz, um die Einführung von Werbebeschränkungen zu begründen“, stellte der politische Geschäftsführer der Deutschen Adipositas-Gesellschaft (DAG), Oliver Huizinga ergänzend fest. Mit den nun vorgelegten Argumenten will DANK eigenen Aussagen zufolge die Debatte rund um den Gesetzentwurf versachlichen. Bereits im April dieses Jahres hatte das Medizin- und Wissenschaftsbündnis eine andere Kampagne – mit Namen „lieber mündig“ – der BVE als „irreführend auf allen Ebenen“ kritisiert und einen Faktencheck vorgelegt. Die BVE hatte die Kritik scharf zurückgewiesen und ihre Initiative verteidigt. AgE

Beitrag teilen: |

Partner

Newsletter

Abonnieren Sie unsere Newsletter und bleiben Sie immer auf dem Laufenden, bei den Themen, die Sie interessieren!

Zur Anmeldung: