Seit 1879 Lebensmittelindustrie und Milchwirtschaft

Krieg in der Golfregion

10. März 2026

Die Sperrung der Straße von Hormus dürfte für den Export deutscher Agrargüter nahezu keine Auswirkungen haben. Zwar werden laut DRV und VdF in die Region Fleisch- und Milchwaren exportiert, diese spielten mengenmäßig aber nur eine untergeordnete Rolle. Entscheidend sei nun vor allem, wie lange der Krieg anhalte. Denn dies bestimme die Effekte auf die Energiepreise.

Foto: pixabay

Im Zuge der Eskalation im Nahen Osten hat die iranische Regierung die strategisch bedeutende Meerenge geschlossen. Vorausgegangen waren Luftangriffe der USA und Israels auf Ziele im Iran.

Nach Angaben des Hauptgeschäftsführers des Verbandes der Fleischwirtschaft (VdF), Steffen Reiter, werden zwar vergleichsweise geringe Mengen deutschen Schweinefleischs in die Vereinigten Arabischen Emirate exportiert, vor allem für die Versorgung von Touristen und chinesischen Zuwanderern. „Gemessen an den Gesamtexportmengen spielen die Länder der Golfregion als Absatzmarkt jedoch keine große Rolle“, sagte Reiter am Dienstag (3.3.) bei einer Veranstaltung des SPD-Wirtschaftsforums in Berlin.

Entscheidender sei vielmehr, wie sich die Energiepreise infolge der Eskalation entwickelten. „Wir haben in den vergangenen Jahren bereits Preisschocks erlebt, die zu erheblicher Inflation geführt haben“, betonte Reiter. Je nach weiterem Verlauf der Krise dürfte das Thema Energiepreise auch für die Agrarwirtschaft „noch deutlich an Bedeutung gewinnen“.

Iran als Agrar-Handelspartner irrelevant

Ähnlich bewertet der Deutsche Raiffeisenverband (DRV) die Lage. Der Iran spiele als Zielland für deutsche Agrarprodukte „nahezu keine Rolle“, teilte der Verband auf Anfrage mit. Auch die Importe aus dem Land seien überschaubar: Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes exportierte der Iran im Jahr 2023 Lebensmittel im Wert von 24,3 Mio. Euro nach Deutschland. Den größten Anteil daran hatten Pistazien.

Laut DRV ist bei den Schifffahrtsrouten vor allem der Suezkanal für den Export deutscher Fleisch- und Milchprodukte nach Asien von zentraler Bedeutung. Zudem beobachte der Verband mögliche Beeinträchtigungen von Lieferungen in den Norden der arabischen Halbinsel, da insbesondere Milchprodukte in diese Region geliefert würden.

Die Effekte des Krieges auf die Energiemärkte dürften im Vergleich zu denen auf den Agrarhandel viel gravierender sein. Denn von steigenden Energiekosten wären in der Agrar- und Ernährungswirtschaft energieintensive Unternehmen wie etwa Molkereien mit ihrem hohen Energiebedarf für Pasteurisierung und Kühlung oder Unternehmen der Fleischverarbeitung sowie der Futtermittelherstellung besonders betroffen, so der DRV.

Derzeit sieht man beim Raiffeisenverband die Energieversorgung Deutschlands dennoch nicht als gefährdet an. Die Bundesrepublik beziehe aus der Golfregion kaum noch Öl, hieß es zur Begründung. Und auch Erdgas komme überwiegend per Pipeline aus Norwegen und den Niederlanden sowie in Form von LNG aus den USA. Bestimmend für die Auswirkungen auf die Energiepreise wird nach Einschätzung des DRV sein, wie lange der Krieg anhalte. AgE

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