Landwirte teilen digitale Daten nur bei konkretem Eigennutzen
Landwirte sind skeptisch, was das Teilen betriebsindividueller Daten angeht, die im Zuge der Digitalisierung im Stall und auf dem Feld anfallen. Damit Betriebsleiter ihre Daten an Industrie oder Wissenschaft weitergeben, braucht es schon einen konkreten Eigennutzen. Das sind zentrale Ergebnisse einer repräsentativen Umfrage, die vom Digitalverband Bitkom in Zusammenarbeit mit der Deutschen Landwirtschafts-Gesellschaft (DLG) unter 500 landwirtschaftlichen Betriebsleitern im März 2022 durchgeführt wurde.
„Über Datenplattformen können in der Landwirtschaft enorme Potentiale gehoben werden“, zeigte sich Bitkom-Hauptgeschäftsführer Dr. Bernhard Rohleder bei der virtuellen Vorstellung der Befragungsergebnisse überzeugt. Die allerwenigsten Betriebsleiter seien allerdings bereit, ihre betrieblichen Daten einfach so freizugeben. „Vielmehr erwarten sie im Gegenzug einen gewissen Return für das eigene Unternehmen“, erläuterte Rohleder. Als ein solcher Vorteil für den eigenen Betrieb werde von 70 % der befragten Landwirte ein reduzierter bürokratischer Aufwand verstanden. Für immerhin 57 % der Befragten würde sich die Weitergabe von Daten lohnen, wenn dadurch Schäden an Betriebsmitteln frühzeitig erkannt und behoben werden könnten, so der Hauptgeschäftsführer. Ferner habe die Befragung ergeben, dass nur 1 % der Landwirte ihre Daten uneingeschränkt zur Verfügung stellen würden. Umgekehrt komme es für jeden siebten Betrieb keinesfalls in Frage, Industrie oder Wissenschaft betriebliche Daten bereitzustellen. DLG-Vizepräsident Prof. Till Meinel kann nachvollziehen, dass Landwirte bei der Speicherung ihrer Daten „in Clouds und Co.“ erst einmal skeptisch sind. Der Vorsitzende des DLG-Testzentrums „Technik & Betriebsmittel“ sieht insbesondere die Unternehmen der Landtechnikbranche in der Pflicht, überzeugende Konzepte vorzulegen, wie die Nutzung betriebsindividueller Daten zum beiderseitigen Vorteil organisieren werden könnte. AgE
