Ruf nach raschem Handeln gegen die Ernährungskrise
Anlässlich des Welternährungstages warnt die FAO wegen immer mehr Hungernder – Engagement gegen den Hunger macht Hoffnung – In Deutschland gibt es Kritik an Kürzung des Haushaltsetats zur Hungerbekämpfung – Landwirte gezielt entlasten und fördern

Die Zahl der Menschen, die an Hunger litten, steige weiter an und liege derzeit bei weltweit 828 Millionen. Foto: Pixabay
Rasches Handeln gegen die sich dramatisch zuspitzende Ernährungskrise hat die Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) am vergangenen Freitag (14.10.) in Rom gefordert, wo sie unter dem Motto „Lasst niemanden zurück“ einen Festakt anlässlich des diesjährigen Welternährungstages ausrichtete. FAO-Generaldirektor Dr. Qu Dongyu warnte vor den Folgen der „zahlreichen und sich überschneidenden Herausforderungen“ für die Ernährungssicherung, darunter der Klimawandel sowie die wirtschaftlichen Folgen des Ukraine-Kriegs und die Corona-Pandemie. Die Zahl der Menschen, die an Hunger litten, steige weiter an und liege derzeit bei weltweit 828 Millionen. Insgesamt 3,1 Milliarden Menschen könnten sich keine gesunde Ernährung leisten. Es gebe aber auch Grund zu Hoffnung, betonte Qu. Er sieht politisches, wirtschaftliches und gesellschaftliches Engagement für eine bessere Versorgung mit Lebensmitteln und mit landwirtschaftlichen Produktionsfaktoren sowie für eine Stärkung der Agrarproduktion vor Ort in den einzelnen Ländern. Es gelte, die „Kraft der Solidarität und der kollektiven Dynamik zu nutzen, um eine bessere Zukunft zu schaffen, in der alle Menschen regelmäßig Zugang zu ausreichend nahrhaften Lebensmitteln haben“. In Deutschland nahm die Parlamentarische Staatssekretärin im Bundeslandwirtschaftsministerium, Dr. Ophelia Nick, den Welternährungstag zum Anlass, auf die Verschlechterung der weltweiten Ernährungssituation aufmerksam zu machen. Das Gegensteuern müsse „bei uns selber ansetzen“. Es gehe darum, weniger Fleisch zu konsumieren, auf nachhaltige Produkte zu setzen und weniger Lebensmittel wegzuschmeißen. Von den stellvertretenden Vorsitzenden der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Hermann Gröhe und Steffen Bilger, kamen zum Aktionstag Kritik am Bundeshaushalt 2023 und die Forderung nach einer Entlastung der Landwirte in Deutschland. Auch die Welthungerhilfe kritisierte, dass die Gelder zur Hungerbekämpfung beim Auswärtigen Amt und dem Bundesentwicklungsministerium in Milliardenhöhe gekürzt werden sollen.
Kleinbauern im Fokus
Für Gröhe ist die Etatkürzung „völlig unverständlich“. In der jetzigen Krisensituation sei es wichtig, dass die Bundesregierung die Hilfen mindestens auf dem Niveau von 2022 fortsetze. Bilger betonte den Beitrag der deutschen Landwirte zur globalen Ernährungssicherung. Es sei entscheidend, dass ihnen nicht ständig neue Knüppel zwischen die Beine geworfen würden, etwa in Form von überzogenem Ordnungsrecht oder neuen bürokratischen Auflagen. Außerdem seien die Landwirte dringend auf spürbare Entlastungen bei den Energiekosten angewiesen. Die CSU-Europaabgeordnete Marlene Mortler mahnte, dass die Weltbevölkerung weiter wachse, weshalb auch der Bedarf an Lebensmitteln künftig zunehme. Deshalb müsse die Politik die Landwirte auf allen Ebenen unterstützen. Ein Fokus sollte auf den über zwei Milliarden Kleinbauern liegen. Immerhin produzierten sie zusammen ganze 80 % der Nahrungsmittel weltweit. Außerdem müsse gezielter auf innovative agrartechnische Lösungen und die Digitalisierung gesetzt werden.
Ablehnung von Gentechnik
Die Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL) warnte davor, den Hunger mithilfe der Gentechnik anzugehen. Die Gentechnik sei riskant und müsse streng reguliert werden. Stattdessen bräuchten Bauern weltweit Zugang zu Land, landwirtschaftlichem Know-how sowie regional angepasstem, gentechnikfreiem und unpatentiertem Saatgut. Nur so sei weltweite Ernährungssouveränität vor Ort zu erreichen. Ähnlich äußerte sich der Anbauverband Demeter. Wegen der bisher nicht absehbaren Auswirkungen auf die Umwelt müsse für neue Gentechnikverfahren dieselbe Regulierung zur Anwendung kommen wie für klassische. Außerdem würden „wirklich nachhaltige“ Lösungen in der Agrarproduktion gebraucht. Langfristige Ernährungssicherheit sei mit Verteilungsgerechtigkeit, Klima- und Naturschutz sowie Vielfalt zu erreichen. Hier biete der Ökolandbau Vorteile. AgE