Söder bekennt sich zur Almwirtschaft
Der bayerische Regierungschef stellt dabei klar: „Der Wolf gehört nicht zu uns“ – Auch Ja des CSU-Parteichefs zur Kombihaltung – Kaniber warnt vor Aus für viele Bergbauern durch geplante Tierschutznovelle – Özdemir zu einer leichteren Wolfsentnahme: „Machen Sie es!“

Ein klares Bekenntnis zur Landwirtschaft in den Bergebieten beziehungsweise zur Almwirtschaft hat Bayerns Ministerpräsident Dr. Markus Söder abgegeben. „Wir stehen zur Almwirtschaft und ihrer jahrhundertelangen Tradition. Die Natur wird hier durch Bewirtschaftung gepflegt und erhalten“, betonte der CSU-Chef am vergangenen Mittwoch (2.8.) bei der Hauptalmbegehung, die vom Almwirtschaftlichen Verein Oberbayern (AVO) und der Gemeinde Flintsbach am Inn organisiert wurde. Im Hinblick auf den Erhalt der Almwirtschaft stellte Söder zugleich fest: „Der Wolf gehört nicht zu uns.“ Almen brauchten Sicherheit. Die wachsende Wolfspopulation stelle eine Gefahr dar, weswegen Entnahmen möglich sein müssten. „Das haben wir durchgesetzt“, so der der Regierungschef. Ebenso sollte nach seiner Ansicht die Kombihaltung bleiben, „denn es gibt wohl kaum ein schöneres Leben für ein Tier als den Sommer über auf der Alm“. Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber stellte ergänzend fest, dass die Bergbauernbetriebe eine echte Zukunftsperspektive brauchten. Das Gegenteil passiere aber beispielsweise, wenn mit der Novelle des Tierschutzgesetzes die bei den Bergbauernbetrieben weit verbreitete Kombinationshaltung von Rindern verboten werden sollte. Davon wären laut Kaniber rund 11 000 bayerische Milchkuhhalter betroffen. Für viele würde es das Aus bedeuten.
Geplante Tierschutznovelle „Todesstoß für viele Almen“
Unter Kombinationshaltung wird die Anbindehaltung in Kombination mit Weidegang während der Weidezeit im Sommer verstanden. Die Anbindehaltung soll der Bundesregierung zufolge künftig nur noch bei Betrieben mit maximal 50 Rindern zulässig sein. Und das auch nur unter der Voraussetzung, dass die Rinder während der Weidezeit Zugang zu Weideland haben und zusätzlich im Winter zweimal wöchentlich Auslauf bekommen. Nach einer Hofübergabe wäre aber auch diese Form der Kombihaltung verboten. Kaniber sagte zu dem ebenfalls anwesenden Bundeslandwirtschaftsminister Cem Özdemir: „Ihre Pläne wären das betriebliche Aus für viele Bäuerinnen und Bauern, denen Sie heute hier in die Augen sehen.“ Die Almwirte seien nämlich auf Jungrinder aus Betrieben mit Anbindehaltung angewiesen. Würden die Höfe im Tal schließen, sei das der Todesstoß für viele Almen. Wenn das Vieh nicht mehr komme, verbuschten aber die Bergwiesen.
Wolf nicht mehr gefährdet
Die CSU-Politikerin ging Özdemir auch mit Blick auf die Wolfspolitik scharf an: „Im dicht besiedelten Deutschland leben inzwischen mehr Wölfe als in Schweden und Norwegen zusammen. Es kann nicht sein, dass wir die Existenz der Almwirtschaft und ihre Biodiversität für eine inzwischen nicht mehr gefährdete Tierart aufs Spiel setzen!“ Sogar die Welt-Naturschutzorganisation (IUCN) stufe den Wolf auf ihrer Roten Liste in Europa als „nicht gefährdet“ ein. Kaniber appellierte an den Grünen-Politiker, schadensunabhängige Wolfsentnahmen in begrenztem Ausmaß möglich zu machen.
Ökobauern fordern Bio-Prämie für Almflächen
Der Bundeslandwirtschaftsminister selbst bekannte sich laut Presseberichten „ohne jedes Wenn und Aber“ zur Almwirtschaft. Zum Abschuss von Wölfen erklärte Özdemir: „Machen Sie es! Ich werde Sie nicht daran hindern.“ Er verwies zudem auf das EU-Recht. Zurückgewiesen wurde von dem Bundesminister auch der Vorwurf, er wolle den Almbauern die Anbindehaltung verbieten, ohne jedoch konkret auf den betreffenden Entwurf seines Hauses zur Änderung des Tierschutzgesetzes einzugehen (AgE 22/23, Bund + Länder 13). Derweil forderte der Vorsitzende der Landesvereinigung für den ökologischen Landbau in Bayern (LVÖ), Thomas Lang, eine Öko-Prämie für Almflächen. Die extensive Bewirtschaftung der Almen und Alpen sei nah dran an der ökologischen Wirtschaftsweise, stellte Lang fest. Viele Bergbauern wollten diesen Schritt gehen und sowohl ihre Alm als auch ihren Talbetrieb auf Bio umstellen. Doch dem stehe aktuell die bayerische Förderpolitik im Weg, gemäß der auf Almflächen keine Ökoförderung beantragt werden dürfe.
„Die heiligen Kühe des Naturschutzes“
Der Präsident des Bayerischen Bauernverbandes (BBV), Günther Felßner, hatte sich bereits im Vorfeld der Hauptalmbegehung zu Wort gemeldet. Er appellierte an den Bundeslandwirtschaftsminister, die Grünlandbetriebe und Milchviehhalter durch eine angemessene Förderung besser zu unterstützen. Gleichzeitig kritisierte Felßner, dass Özdemir stattdessen mit dem geplanten neuen Tierschutzgesetz die Zukunft von Tausenden kleinen Betriebe mit Weidehaltung und Almwirtschaft aufs Spiel setze. „Statt eines fixen Ausstiegstermins braucht es generationengerechte Lösungsansätze und eine dauerhafte Absicherung der Kombinationshaltung mit Bewegung“, mahnte der BBV-Präsident. Zu Wolf und Bär stellte er fest, dass diese nach ihrer Rückkehr nach Bayern und in den Alpenraum weiter „die heiligen Kühe des Naturschutzes“ seien. Damit in Zukunft aber weiter echte Kühe auf den Almen grasen könnten, müsse der Schutzstatus endlich angepasst werden. „Zum Erhalt der Weidewirtschaft brauchen wir praktikable Regelungen beim Wolf und auch Möglichkeiten zur Bestandsregulierung“, so Felßner. Der BBV fordere deshalb, dass der strenge Artenschutz gelockert werde und Wölfe notfalls auch erlegt werden dürften. AgE