Tiefkühl- und Frischewirtschaft warnt vor Versorgungslücken
Offener Brief an Scholz, Habeck und Özdemir – Deutsche Lebensmittelwirtschaft in schwerster Krise seit Ende des Zweiten Weltkriegs – Zur Energieverteuerung kommen erhebliche Belastungen durch gestörte Lieferketten, Personalmangel und Rohstoffknappheit – Stillstand von Produktionslinien befürchtet

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Die Unternehmen der Tiefkühl- und Frischewirtschaft warnen eindringlich vor erheblichen Versorgungslücken bei der täglichen Lebensmittelversorgung der Menschen in Deutschland. „Die Lage ist mehr als ernst“, heißt es in einem offenen Brief, der am vergangenen Mittwoch (21.9.) an Bundeskanzler Olaf Scholz, Bundeswirtschaftsminister Dr. Robert Habeck und Bundeslandwirtschaftsminister Cem Özdemir gerichtet wurde. Zu den Unterzeichnern gehören unter anderem der Verband der Fleischwirtschaft (VDF), der Bundesverband Deutscher Wurst- & Schinkenproduzenten (BVWS) und der Bundesverband der Deutschen Süßwarenindustrie (BDSI). Die insgesamt sieben Verbände appellieren an die Bundesregierung, jetzt sehr kurzfristig die in Aussicht gestellten Energiebeihilfen für energieintensive Unternehmen auszuzahlen. Ankündigungen allein reichten nicht aus. Zudem sollte kurzfristig das Energiekostendämpfungsprogramm für alle mittelständischen Unternehmen in der Tiefkühlkette – für Industrie, Kühlhäuser, Handel und Logistikdienstleistungen – geöffnet werden. Es gelte, die Sicherung der Energieversorgung mit höchster Priorität voranzutreiben, da sonst die Kühlschränke und Tiefkühltruhen für die deutsche Bevölkerung bald leer blieben. Nach Darstellung der Unterzeichner erlebt die deutsche Lebensmittelwirtschaft gerade die schwerste Krise seit Ende des Zweiten Weltkriegs. Diese betreffe in ganz besonderem Maß die sehr energieintensiven Betriebe der mittelständischen Tiefkühl- und Frischewirtschaft, die infolge der Energiekrise vor einer existenziellen Bedrohung stünden. Sowohl die Hersteller von tiefgefrorenen Lebensmitteln als auch die Kühlhäuser und Logistikunternehmen sowie der Handel und Vertrieb seien gerade mit dramatischen Preissteigerungen für ihre Strom- und Gasversorgung konfrontiert.
Liquiditätssituation immer angespannter
Hinzu kämen erhebliche Belastungen durch gestörte Lieferketten, Personalmangel und Rohstoffknappheit, berichten die Verbände. Diese massiven Kostensteigerungen könnten die Unternehmen nicht mehr länger durch Einsparungen oder die anteilige Weitergabe in den Verkaufspreisen an die Kunden kompensieren. Energieintensive Unternehmen hätten im betrieblichen Eigeninteresse in den vergangenen Jahren bereits grundsätzlich ein Höchstmaß an Energieeffizienz erreicht. Die Unternehmen befürchteten mittlerweile den baldigen Stillstand von Produktionslinien und die Schließung von Kühllogistikzentren für die Lebensmittelverteilung, heißt es in dem Brief. Manche bereiteten sich sogar schon auf eine mögliche Insolvenz vor. „Die Ertragslage verschlechtert sich täglich, die Liquiditätssituation wird immer angespannter“, so die Warnung der Verbände. Eine finanzielle Unterstützung dieser energieintensiven Unternehmen gebe es allerdings bisher nicht. AgE