Tierhaltungskennzeichnung: Gesetz schafft mehr Ungerechtigkeit
Die in der vorletzten Woche erzielte Einigung der Ampelkoalition zur Tierhaltungskennzeichnung stößt bei der Opposition auf Kritik. Nach Ansicht des Vorsitzenden des Bundestagsernährungsausschusses, Hermann Färber, wird die Kennzeichnung nicht zu mehr Tierwohl führen, sondern im Gegenteil mehr Ungerechtigkeit schaffen.

Hermann Faerber, MdB, CDU, Vorsitzender im Ausschuss fuer Ernaehrung und Landwirtschaft im Deutschen Bundestag. Foto: photothek/Thomas Trutschel
Der CDU-Politiker monierte am Dienstag vergangener Woche (4.4.) in Berlin, dass die Haltungskennzeichnung zunächst lediglich für Mastschweine gelte und die Ferkelerzeugung nicht berücksichtigt werde. Künftig könnten somit betäubungslos kastrierte Ferkel aus anderen Ländern über weite Strecken nach Deutschland importiert und so lange sie hier „noch ein paar Wochen in bester Haltungsform gemästet werden“, könne dieses Fleisch dann beim Verkauf das höchste Label für konventionell arbeitende Betriebe erhalten, kritisierte Färber. Dadurch würden heimische Ferkelerzeuger auf dem Markt zusätzlich benachteiligt, da diese sich an die „hohen deutschen Standards bei der Kastration der männlichen Tiere halten müssen“. Der CDU-Politiker sieht dadurch die Gefahr, dass die Produktion künftig noch mehr ins Ausland verlagert wird. Unmut äußerte er auch darüber, dass die Kennzeichnung nur frisches, unverarbeitetes Schweinefleisch betreffe sowie über die noch ungeklärte Frage der Finanzierung. Zwar sollten die Lücken angegangen werden, dennoch nehme die Koalition in Kauf, dass „bis dahin tausende Betriebe aus der Schweinehaltung aussteigen werden“. Irritiert zeigt sich Färber über den Umgang mit den Empfehlungen der Borchert-Kommission, die auch von der Zukunftskommission Landwirtschaft (ZKL) mitgetragen worden seien. Wenn der Gesetzgeber diese ablehne, müsse er einen „tragfähigen Gegenvorschlag“ vorlegen, der dem komplexen Thema und den vielen Stakeholdern gerecht werde, forderte der CDU-Agrarpolitiker. Das sei aber nicht geschehen. AgE