Seit 1879 Lebensmittelindustrie und Milchwirtschaft

Weniger Rohstoff in deutschen Molkereien verarbeitet

23. August 2022

Milchanlieferungen im ersten Halbjahr 2022 gegenüber Vorjahreszeitraum um 1,5 Prozent rückläufig – Heimische Erzeuger produzieren weniger konventionellen Rohstoff – Biomilchproduktion und Auslandslieferungen steigen dagegen weiter an – Notierungen für Butter und Schnittkäse stabil – Erneut Abschläge für Magermilch- und Vollmilchpulver – Negativer Preistrend an der GDT setzt sich fort  

Foto: Pixabay

Den Molkereien im Bundesgebiet wurde im ersten Halbjahr 2022 weniger Kuhmilch für die Herstellung von Molkereiprodukten angeliefert als im Vorjahreszeitraum. Laut Daten der Bundesanstalt für Ernährung und Landwirtschaft (BLE) ging das Gesamtaufkommen um rund 240 000 t oder 1,5 % auf 16,15 Mio t zurück. Für das kleinere Rohstoffangebot war ausschließlich die geringere Andienung von konventionell erzeugter Kuhmilch der heimischen Milchbauern verantwortlich. Diese fiel mit 15,03 Mio t um 332 180 t oder 2,0 % kleiner aus als in der ersten Jahreshälfte 2021. Dagegen nahmen die Anlieferungen von Biomilch erneut zu, und zwar um 17 040 t oder 2,6 % auf 664 440 t. Die aus dem Ausland an deutsche Molkereien gelieferte Milchmenge legte im Vorjahresvergleich deutlich zu, und zwar um 75 150 t beziehungsweise 19,7 % auf 456 030 t. Laut den BLE-Daten ist der Rückgang des konventionellen Milchaufkommens in der ersten Jahreshälfte in Ostdeutschland – relativ gesehen – mit 3,3 % deutlich stärker gewesen als in Westdeutschland mit 1,9 %. Andererseits war der Zuwachs bei der Andienung von Biomilch in den alten Bundesländern mit 2,9 % höher als der im neuen Bundesgebiet mit 0,5 %. Die meiste konventionelle Milch wurde der Bundesanstalt zufolge in Niedersachsen mit 3,56 Mio t verarbeitet; das war ein knapp stabiles Ergebnis im Vergleich zur entsprechenden Vorjahresperiode. Bayern rutschte damit auf den zweiten Rang bei der Milcherfassung des konventionellen Rohstoffs. Im Freistaat gingen die Anlieferungen – gemessen am Bundesmittel – überdurchschnittlich um 3,0 % auf 3,49 Mio t zurück. Die Nase vorn im Bundesgebiet behielt Bayern jedoch bei der Verarbeitung von Biomilch mit 328 800 t; gegenüber dem ersten Halbjahr 2021 entsprach das einem Zuwachs von 5,0 %. In Baden-Württemberg war entgegen dem Bundestrend die Anlieferung von Ökomilch in den Molkereien um 0,2 % auf 92 030 t rückläufig. In Hessen einschließlich Rheinland-Pfalz und dem Saarland ging die Andienung der Biomilch laut BLE sogar um 3,1 % auf 52 240 t zurück.

Nur Hartkäsenotierung steigt

Der Markt für Molkereierzeugnisse in Deutschland war in der vergangenen Woche bei den meisten Produkten recht ausgeglichen. Dies drückte sich auch in den überwiegend unveränderten amtlichen Notierungen aus, die bei Butter und Schnittkäse stabil blieben. Bei Hartkäse sorgte laut Süddeutscher Butter- und Käsebörse in Kempten hingegen eine starke Nachfrage für gewisse Preisaufschläge der Hersteller im Verkauf. Die Notierung für Emmentaler aus Rohmilch wurde am vergangenen Mittwoch (17.8 ) am unteren Spannenende um 20 Cent auf 7,30 Euro angehoben; bei normalem Emmentaler ging es am oberen Ende der Spanne um 50 Cent auf 6,70 Euro/kg nach oben. Am Pulvermarkt tendierten die Preise hingegen oft schwächer. Laut Zentraler Milchmarkt Berichterstattung (ZMB) verhielten sich die Käufer von Magermilchpulver angesichts der vielen Unsicherheiten am Markt abwartend. Bei der lebensmitteltauglichen Ware gaben die Preise im unteren Bereich um 5 Cent auf 3,60 Euro/kg nach. Die Futtermittelware wurde mit einem durchschnittlichen Abschlag von 6,5 Cent gehandelt und erlöste je Kilogramm zwischen 3,43 Euro und 3,46 Euro. Die Geschäfte mit Vollmilchpulver blieben der ZMB zufolge, zumal ein Absatz am Weltmarkt wegen des hierzulande hohen Preisniveaus kaum möglich sei. Die Abgabepreise verringerten sich laut Kemptener Börse im preiswerten Segment um 8 Cent auf 4,99 Euro/kg. Molkenpulver konnte dagegen zu unveränderten Konditionen verkauft werden.

GDT weiter schwach

Am internationalen Markt für Milcherzeugnisse ist der seit März anhaltende Rückgang der Preise für Standardmilcherzeugnisse noch nicht beendet. Bei der Auktion auf der Handelsplattform Global Dairy Trade (GDT) gab am Dienstag vergangener Woche der gewichtete Index aller fünf gehandelten Standardmilchprodukte gegenüber der Auktion von Anfang August um 2,9 % nach und rutschte damit knapp unter das Vorjahresniveau. Maßgeblich trug dazu das wichtigste GDT-Produkt Vollmilchpulver bei, das über alle Kontrakte und Liefertermine hinweg gegenüber der Auktion vor zwei Wochen einen Preisrückgang von 3,5 % auf 3 417 $/t (3 017 Euro) verzeichnete. Noch stärker fiel der Abschlag bei wasserfreien Milchfett mit 9,8 % auf 4 990 $/t (4 895 Euro) aus. Butter und Magermilchpulver wurden dagegen im Mittel aller Kontrakte zu weitgehend unveränderten Preisen versteigert. Für Cheddarkäse waren die Käufer sogar bereit, mehr Geld auszugeben; der Durchschnittpreis bei der GDT-Auktion lag mit 5 005 $/t (4 909 Euro) um 4,2 % über dem Niveau von Anfang August. Fonterra-Vorstandschef Miles Hurrell führte die nachgebenden Preise an der GDT in den vergangenen Wochen und Monaten vor allem auf die nachlassende Nachfrage aus China zurück. Aber auch insgesamt habe sich das makroökonomische Umfeld eingetrübt, so seine Einschätzung. Analysten zufolge sind die Einkäufer an der GDT in Zeiten hoher Inflation vorsichtiger geworden, da auch die Verbraucher versuchten zu sparen. AgE 

Umrechnungskurs: 1 $ = 0,9809 Euro

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