Alternativprodukte für tierische Erzeugnisse: Beirat sieht großes Potenzial
Ersatzprodukte für Fleisch und Milch weisen geringere Treibhausgasemissionen auf. Das hat der Wissenschaftliche Beirat für Agrarpolitik, Ernährung und gesundheitlichen Verbraucherschutz in seinem jüngsten Gutachten unterstrichen. Der WBAE sieht erhebliches Potenzial in der Entwicklung pflanzlicher und biotechnologischer Alternativprodukte. Drastische Verwerfungen in der Tierhaltung sind laut dem Gremium nicht zu erwarten.

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Keine Vorbehalte gegen Ersatzprodukte für Fleisch und Milch hat der Wissenschaftliche Beirat für Agrarpolitik, Ernährung und gesundheitlichen Verbraucherschutz (WBAE) beim Bundeslandwirtschaftsministerium. In seinem aktuellen Gutachten spricht sich das Beratungsgremium gegen politische Maßnahmen aus, die solche Alternativprodukte behindern oder blockieren. „Nachhaltigkeitspolitisch, ökonomisch und gesellschaftlich“ gebe es dafür derzeit keine überzeugenden Gründe, heißt es in dem Gutachten „Mehr Auswahl am gemeinsamen Tisch: Alternativprodukte zu tierischen Lebensmitteln als Beitrag zu einer nachhaltigeren Ernährung“, das der Beirat am Dienstag (22.7.) an Ressortchef Alois Rainer übergeben hat.
Danach sieht der Beirat ein erhebliches Potenzial in der Entwicklung pflanzlicher und biotechnologischer Alternativprodukte. Das gelte sowohl für eine nachhaltigere Agrar- und Ernährungswirtschaft als auch für eine nachhaltigere Ernährung und die Gestaltung fairer Ernährungsumgebungen. Der WBAE spricht sich dafür aus, Alternativprodukte aktiv und strategisch ausgerichtet zu fördern.
Die Wissenschaftler räumen ein, dass Alternativprodukte für tierhaltende Betriebe eine zusätzliche Herausforderung darstellen. Solche Produkte könnten den ohnehin stattfindenden Wandel zu weniger Fleisch verstärken und auch den Markt für Milch und Milchprodukte beeinflussen. Drastische Verwerfungen seien allerdings wenig wahrscheinlich. Die Chancen und Risiken eines Rückgangs der Tierhaltung seien in den jeweiligen Regionen gleichwohl sorgfältig entlang der Wertschöpfungskette zu prüfen.
Verbesserung der Haltungsbedingungen weiter notwendig
Nach Einschätzung des WBAE sind rein pflanzenbasierte Alternativprodukte mit geringeren Treibhausgasemissionen und Nährstoffeinträgen verbunden als tierische Erzeugnisse. In viehdichten Regionen könnten Rückgänge der Tierhaltung infolge von steigenden Marktanteilen für Fleischersatz zu Entlastungen führen. Risiken sehen die Fachleute für naturschutzfachlich wertvolles Dauergrünland und damit verbundenen artenreichen Kulturlandschaften, sollten grünlandbasierte Tierhaltungen an Bedeutung verlieren. Nicht ersetzen kann die Förderung von Alternativprodukten laut Gutachten politische Maßnahmen zur Verbesserung der Haltungsbedingungen. Zur Begründung weist der Beirat darauf hin, dass eine sinkende Nachfrage zunächst zu Preisdruck führe und die Produktion zu höheren Tierwohlstandards dadurch schwieriger werde.
Nach WBAE-Angaben beläuft sich der Marktanteil von Alternativprodukten im gesamten Bereich der tierischen Erzeugung auf 1 bis 2% der verkauften Menge. Mit einem Mengenanteil von gut 10% am Gesamtmarkt für Milch und Milchgetränke haben Milchalternativen bereit ein spürbar höheres Niveau erreicht. Vorn liegen dabei Haferdrinks. Der Beirat geht aufgrund der Erfahrung in den letzten zehn Jahren davon aus, dass der Konsum von Alternativprodukten insgesamt nicht im selben Maße steigt, wie die Nachfrage von tierischen Produkten zurückgeht. AgE
