EU-Eingriffe in den Milchmarkt?
Brüssel wird in den kommenden Wochen wohl nicht in den Milchmarkt der EU eingreifen. Das hat EU-Agrarkommissar Hansen beim Agrarrat klargestellt. Litauen hatte zuvor auf den Einsatz der Privaten Lagerhaltung für Käse sowie das Anzapfen der Agrarreserve gepocht. Unterstützung dafür gab es unter anderem aus Tschechien und Ungarn. Deutschland hält Markteingriffe bei der Milch nach wie vor nicht für zielführend.

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Die EU-Kommission wird kurzfristig wohl nicht in den europäischen Milchmarkt eingreifen. Forderungen verschiedener Mitgliedstaaten beim EU-Agrarministertreffen am Dienstag (26.5.), die EU-Agrarreserve anzuzapfen und die Private Lagerhaltung (PLH) für Käse zu aktivieren, wies EU-Agrarkommissar Christophe Hansen einmal mehr zurück. Ausgangspunkt war eine Erklärung Litauens, wonach die dortigen Milchbauern in eine strukturelle Krise gerutscht sind, die mittlerweile sogar auf die Milchverarbeiter durchschlagen soll.
Die Talsohle beim Milchgeld sei mittlerweile durchschritten, begründete Hansen seine erneute Absage an Markteingriffe. Milchpulver- und Butterpreise hätten sich deutlich stabilisiert. Laut dem Kommissar sind die Preise für Magermilchpulver seit Jahresbeginn um 29% und die Preise für Molkepulver um 41% gestiegen. Beide lägen nun deutlich über dem Vorjahresniveau.
Die Nachfrage sowohl innerhalb der EU als auch weltweit bleibt nach Darstellung von Hansen „dynamisch“. Die Ausfuhren aus der Europäischen Union seien im vergangenen Jahr gestiegen – mit einer besonderen Dynamik in den letzten Monaten. Der Luxemburger sicherte zu, die Entwicklung am Milchmarkt weiterhin sehr genau beobachten zu wollen. Sollte die Lage dies erfordern, werde die EU-Kommission handeln.
Deutscher Milchmarkt hat sich entspannt
Laut den Ausführungen von Agrarstaatssekretär Markus Schick hat sich der deutsche Milchmarkt bereits entspannt. Aus seiner Sicht ist daher kein Eingreifen mehr notwendig. Von der Kommission forderte Schick lediglich, die Lage weiter zu beobachten. Dem schloss sich auch die französische Delegation an.
Belgien beklagte zwar niedrige Auszahlungspreise, forderte aber von der Kommission, mit und nicht gegen den Markt zu agieren. Dies kann als Absage gegen die Aktivierung von PLH und Agrarreserve gewertet werden. Polen wiederum verwies auf das hohe Angebot bei gleichzeitig niedrigen Preisen. Die Delegation aus Warschau äußerte aber die Hoffnung, das Schlimmste könnte „vielleicht“ hinter den Milchbauern liegen.
Derweil stellten sich Portugal, Tschechien, Ungarn, Rumänien sowie Estland und Lettland klar hinter die Forderungen aus Litauen. Portugal sprach sich zudem dafür aus, die Interventionspreise für die Private Lagerhaltung anzuheben. AgE
