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EU-Verpackungsverordnung: Auch in Deutschland keine Begeisterungsstürme

8. Dezember 2022

Lemke begrüßt Vorschläge – Entschiedenes Vorgehen auf EU-Ebene kann Verpackungsflut eindämmen – BVE mahnt wissenschaftliche Grundlagen und Augenmaß an – Entsorgungswirtschaft lobt engagierten Schritt – NABU vermisst Mehrwegquoten für den Lebensmittelbereich – WWF fordert ehrgeizigere Zielvorgaben

In Deutschland haben die Vorschläge der Europäischen Kommission über neue Vorgaben für Verpackungen und nachhaltige Kunststoffe ebenfalls gemischte Reaktionen ausgelöst. Bundesumweltministerin Steffi Lemke sprach von einer „guten Nachricht für den Umwelt- und Klimaschutz“. In vielen Bereichen seien die Pläne in Deutschland bereits umgesetzt. Die Grünen-Politikerin rechnet damit, dass mit einem entschiedenen Vorgehen auf europäischer Ebene das zunehmende Aufkommen von Verpackungsmüll eingedämmt werden kann. Die Bundesvereinigung der Deutschen Ernährungsindustrie (BVE) bewertete die Vorschläge der Kommission „grundsätzlich positiv“. Zahlreiche Unternehmen der Branche seien international aufgestellt, einheitliche Regeln in der EU seien deshalb grundsätzlich zu begrüßen, so der stellvertretende Hauptgeschäftsführer, Peter Feller. Das Gleiche gelte für eine ambitionierte ökologische Weiterentwicklung von Verpackungen. Zugleich mahnt die BVE insbesondere im Hinblick auf die Vorgaben für Recyklateinsatz- und Mehrwegquoten Regelungen „auf der Grundlage von fundierten wissenschaftlichen Erkenntnissen“ sowie Augenmaß an. „Beispielsweise ist zu berücksichtigen, dass bislang nur Polyethylenterephthalat-(PET)-Recyklate für den Einsatz in Nahrungsmittelverpackungen zugelassen sind und eine Zulassung anderer Kunststoffe zurzeit nicht absehbar ist“, stellte Feller fest. Auch die vorgesehenen Mehrwegquoten seien zu hinterfragen, etwa im Hinblick auf den zusätzlichen Logistikaufwand. Der Bundesverband der Deutschen Entsorgungs-, Wasser- und Kreislaufwirtschaft (BDE) wertete die Vorschläge als „engagierten Schritt für mehr Kreislaufwirtschaft“. „Wir sollten die Verpackungsverordnung in ihrer Gesamtheit als europäischen Motor für den dringend benötigten Wandel in der Verpackungsindustrie hin zu mehr Nachhaltigkeit begreifen“, so BDE-Präsident Peter Kurth.

Anspruchslose Zielquoten

Zurückhaltender zeigten sich die Umweltorganisationen. „Die neue Verordnung kann ein großer Wurf werden, wenn die Zielquoten ambitioniert sind und auch die Definitionen von Mehrweg, Recyklat und Recyclingfähigkeit keine Schlupflöcher zulassen“, erklärte die Verpackungsreferentin vom Naturschutzbund Deutschland (NABU), Katharina Istel. Allerdings fehlten Mehrwegquoten für den Lebensmittelbereich, sowohl für Produkt- als auch Transportverpackungen. Gebraucht werde zudem eine Mehrweg-Alternative zu den extrem energieintensiven Einweggläsern. NABU-Bundesgeschäftsführer Leif Miller warnte vor einer weiteren Verwässerung der Vorschläge. Die Industrie habe in den letzten Wochen leider erfolgreich gegen wesentlich ambitioniertere Mehrwegquoten lobbyiert. Die nun vorgeschlagenen Zielquoten für Getränkeverpackungen von 10 % bis 2030 und 25 % bis 2040 seien „alles andere als anspruchsvoll“. Auch der World Wide Fund for Nature (WWF) forderte ehrgeizigere Zielvorgaben. Diese sollten sich allerdings nicht nur auf Kunststoffe abzielen, sondern alle Materialien einbeziehen

Wesentliche Aspekte enthalten

Das Institut für Biokunststoffe und Bioverbundwerkstoffe (IfBB) der Hochschule Hannover begrüßte die Vorschläge der Kommission. Mit den Punkten Recycling und Kreislaufwirtschaft von Kunststoffen seien die wesentlichen Aspekte enthalten, um Kunststoffabfälle zu reduzieren und die Kreislaufwirtschaft in Europa effektiv voran zu treiben, so die Einschätzung der Wissenschaftler. Besonders wichtig seien die Steigerung der Recyclingquote in Verbindung mit dem Einsatz von Recyklaten, und zwar sowohl bei den fossil- als auch bei den biobasierten Kunststoffen, und das Etablieren einer nachhaltig funktionierenden Kreislaufwirtschaft, möglichst auch auf regionaler Ebene. AgE

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