Irland: Landwirte müssen Stickstoffdüngereinsatz reduzieren
Irische Regierung legt Klimaaktionsplan 2023 vor – Der Schwerpunkt im Bereich Landwirtschaft liegt auf der Verringerung der Stickstoff- und Methanemissionen – Ausweitung des Ökolandbaus und der Erneuerbare-Energien-Produktion vorgesehen – Bauernverband warnt vor Produktionsrückgängen und Verlust der Lebensgrundlage der Landwirte

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Die irischen Farmer müssen ihre Produktionsweisen zur Erreichung der langfristigen Klimaschutzziele anpassen. Wie aus dem kurz vor Weihnachten von der Regierung in Dublin vorgelegten Klimaaktionsplan 2023 hervorgeht, soll der Agrarsektor seine Treibhausgasemissionen bis zum Ende dieses Jahrzehnts um 25 % reduzieren. Flankiert werden soll diese Klimaschutzleistung von „innovativen Unterstützungsmaßnahmen“. Damit will die Regierung sicherstellen, dass die Einkommen der Familienbetriebe auf diversifiziertere und nachhaltigere Art erwirtschaftet werden können. Laut dem Klimaaktionsplan soll der Einsatz chemischer Stickstoffdünger „deutlich“, und zwar auf maximal 300 000 t im Jaht gesenkt werden. Dazu soll unter anderem der Ökolandbau bis 2030 auf 450 000 ha ausgeweitet werden. Gemäß dem irischen Strategieplan zur Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) soll der Ökolandbau auf der Insel im Jahr 2027 bekanntlich mindestens 330 000 ha umfassen, was 7,5 % der gesamten Agrarfläche des Landes entspricht. Des Weiteren wird mit dem Klimaaktionsplan die Verringerung der Methanemissionen aus der Viehhaltung durch eine Reihe von Maßnahmen gefordert. Hierzu werden eine frühere Ausmast der Rinder, eine verbesserte Tierzucht und effizientere Fütterung genannt. Unterstützen will die Regierung die Viehhalter außerdem bei der Umstellung auf alternative Landnutzungsformen. Schließlich beinhaltet der Klimaaktionsplan den Ausbau des Biomethansektors. Ziel ist es, bis zu 5,7 TWh Biomethan aus 150 bis 200 anaeroben Vergärungsanlagen zu gewinnen.
Auch E-Mobilität im Blick
Auch den Verkehr im ländlichen Raum hat die Dubliner Regierung bei ihrem Klimavorhaben im Blick. So sollen 70 % der Menschen in den ländlichen Gegenden Irlands dreimal täglich mit dem Bus in die nächstgelegene Stadt fahren können. Generell soll jedes dritte Privatfahrzeug bis 2030 elektrisch angetrieben sein. Ebenfalls bis zum Ende dieses Jahrzehnts soll es genügend Strom aus erneuerbaren Quellen geben, um jeden Haushalt und jedes Unternehmen im Land sicher zu versorgen. Insgesamt 50 % aller täglichen Wege sollen zu Fuß, mit dem Fahrrad und mit öffentlichen Verkehrsmitteln zurückgelegt werden.
Klimaschutz als Chance
Ministerpräsident Leo Varadkar sieht den Klimawandel als „dringendste langfristige globale Herausforderung unserer Zeit“. „Wir sollten den Klimaschutz nicht als eine Verpflichtung oder eine Last betrachten. Wir sollten ihn als Chance begreifen“, betonte Varadkar. Landwirtschaftsminister Charlie McConalogue mahnte, „den Fortschritt zu beschleunigen, indem wir den Einsatz von stickstoffhaltigen Düngemitteln reduzieren, sie durch geschützten Harnstoff ersetzen und das Alter der Rinder in der Endmast senken“. Der Minister räumte ein, dass dazu ein „erheblicher und tiefgreifender Wandel erforderlich sein“ werde. Er zeigte sich aber zuversichtlich, dass sich die Landwirte dieser Herausforderung stellen. So könne auch erreicht werden, dass die irische Landwirtschaft auf dem Weltmarkt eine Vorreiterrolle bei der umweltverträglichen Agrarproduktion einnehme. Der Präsident des irischen Bauernverbandes (IFA), Tim Cullinan, sieht indes noch viel Gesprächsbedarf mit den Landwirten als notwendig an, um konkret zu klären, wie die Emissionen reduziert und gleichzeitig der Sektor weiterentwickelt werden kann.
Nicht nur auf den Viehbestand fokussieren
„Die Welt braucht mehr Nahrungsmittel“, gab Cullinan außerdem zu bedenken. Nach seiner Einschätzung sind die irischen Landwirte „gut aufgestellt“, um Lebensmittel auf ökologisch effiziente Weise zu produzieren. Der IFA-Präsident betonte, dass die Emissionsreduzierung nicht auf Kosten der Lebensgrundlage der Landwirte oder durch eine Verringerung der Produktion erfolgen dürfe. Zugleich bedauerte Cullinan die „Spaltung der Debatte“ und eine zu starke Konzentration auf die Viehhaltung. Der Fokus müsse auf der Verringerung der Emissionen und nicht auf einen Abbau der Rinderzahlen liegen. Der Bauernpräsident warnte vor „echten Schäden“. Technologische Fortschritte könnten durchaus helfen, die „Ziele für 2030 zu erreichen“. Der IFA-Präsident forderte hierzu umfangreiche Investitionen in Forschung und Entwicklung. AgE
