Seit 1879 Lebensmittelindustrie und Milchwirtschaft

Lebensmittelproduktion absichern

10. Dezember 2025

Der Österreichische Bauernbund fürchtet um die Zukunft der heimischen Lebensmittelproduktion. Es gebe derzeit einen gefährlichen Mix aus steigenden Kosten, Druck auf bäuerliche Erzeugerpreise und einer prekären Lage der lebensmittelverarbeitenden Betriebe, warnt Verbandspräsident Georg Strasser. In einem Vier-Punkte-Plan fordert er Entlastung bei Energie, Schub für erneuerbare Gase, eine klare Herkunftskennzeichnung für Lebensmittel und faire Rahmenbedingungen bei Düngemitteln.

Foto: pixabay

Vor einer weiteren Zuspitzung entlang der gesamten Wertschöpfungskette im Ernährungssektor warnt der Präsident des Österreichischen Bauernbundes, Georg Strasser. Es gebe derzeit einen gefährlichen Mix aus steigenden Kosten, Druck auf bäuerliche Erzeugerpreise und einer prekären Lage der lebensmittelverarbeitenden Betriebe, erklärte Strasser am Mittwoch (3.12.) in Wien. Das seien deutliche Warnsignale, doch die Bauern fühlten sich von der europäischen Politik im Stich gelassen.

„In jeder Krise wird die Selbstversorgung hochgehalten. Kaum ist der Druck weg, wird sie wieder vergessen“, kritisierte der Verbandspräsident. Das sei kurzsichtig. Vielmehr müsste die Selbstversorgung mit hochwertigen Lebensmitteln Teil der europäischen Sicherheitsarchitektur sein. „Wir schützen zum Beispiel die europäische Stahlproduktion zu Recht vor unfairen Importen. Warum sollte das bei Lebensmitteln anders sein?“, so Strasser. Er legte einen Vier-Punkte-Plan vor, um die bäuerlichen Erzeugerpreise zu verbessern und die heimische Lebensmittelproduktion zu stabilisieren.

Entlastungen bei Netzentgelten und Abgaben

Ganz oben auf der Liste steht das Thema Energie. Der Verband fordert, das Günstiger-Strom-Gesetz so zu gestalten, dass auch energieintensive Lebensmittelbetriebe ausdrücklich davon profitieren können. Dies betreffe beispielsweise Schlacht- und Zerlegebetriebe sowie die Zucker- und Stärkeproduktion. Es brauche Entlastungen bei Netzentgelten und Abgaben, damit Energie für diese Betriebe planbar und leistbar bleibe.

Beim Erneuerbare-Gase-Gesetz sieht der Bauernbund eine große Chance, Landwirtschaft und Energieversorgung besser zu verbinden. Über Biomethan aus Reststoffen der Land- und Forstwirtschaft sowie der Lebensmittelindustrie könnten Prozessenergie für Lebensmittelbetriebe bereitgestellt und gleichzeitig regionale Wertschöpfung gestärkt werden. Damit würden die Krisenresilienz gestärkt und die Klimabilanz der Lebensmittelwirtschaft verbessert. Die Landwirte brauchten jetzt Planungssicherheit für Biogasanlagen und klare Rahmenbedingungen, damit Investitionen in grünes Gas aus Reststoffen möglich seien.

Dünger muss erschwinglich bleiben

Einmal mehr spricht sich der Bauernbund für eine klare Herkunftskennzeichnung aus, wie sie in der Gemeinschaftsverpflegung bereits umgesetzt worden sei. Die Herkunftskennzeichnung würde die Nachfrage nach heimischen Lebensmitteln stärken und dabei helfen, bäuerliche Erzeugerpreise zu stabilisieren. „Die Menschen haben ein Recht darauf zu wissen, ob sie österreichische Produkte auf dem Teller haben oder Importware aus Drittstaaten mit völlig anderen Produktionsstandards“, betonte Strasser.

Im Weiteren fordert der Bauernbund, die Düngerpreise so zu gestalten, dass die Landwirtschaftsbetriebe wettbewerbsfähig bleiben. Der europäische CO₂-Grenzausgleichsmechanismus (CBAM) und weitere Klimavorgaben dürften die Düngerkosten nicht weiter in die Höhe treiben. „Wir brauchen eine Klimapolitik, die Düngemittel weiterhin verfügbar und leistbar hält und unsere Bäuerinnen und Bauern nicht gegenüber Importware schlechter stellt“, hob Strasser hervor. Klimaschutz und Versorgungssicherheit müssten zusammen gedacht werden. AgE

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