Seit 1879 Lebensmittelindustrie und Milchwirtschaft

Totschnig will mehr Transparenz bei Lebensmittelpreisen

von | 30. Mai 2023

Kritik an den weiterhin hohen Kosten für die Verbraucher – Ein- und Verkaufspreise für definierten Warenkorb erfassen – Moosbrugger: System der Preisbildung genau durchleuchten – Handel sieht sich selbst als Betroffener der Teuerungswelle – Unterstellung einer „Gierflation“ geht ins Leere

Foto: Spar Austria

Obwohl in Österreich die meisten landwirtschaftlichen Erzeugerpreise in den vergangenen Monaten gesunken sind, müssen die Verbraucher beim Lebensmitteleinkauf weiterhin tief in die Tasche greifen. Deshalb will Landwirtschaftsminister Norbert Totschnig Klarheit darüber schaffen, an welcher Stelle in der Lebensmittelkette Preissenkungen nicht weitergegeben werden. „Was es neben einer treffsicheren Entlastung sozial Bedürftiger braucht, ist Preistransparenz“, erklärte der Minister auf einem Lebensmittelgipfel in Wien. So könnten beispielsweise die Ein- und Verkaufspreise für einen definierten Warenkorb erhoben werden. Außerdem braucht es nach Ansicht von Totschnig aufgrund des direkten Zusammenhangs mit den Lebensmittelpreisen Stabilität und Perspektiven auf den Energiemärkten. Ein wichtiger Hebel für bezahlbare Lebensmittel sei, dass überhaupt ausreichend davon hergestellt werden können. „Überzogene Auflagen und Einschränkungen in der Produktion können zu einem geringeren Angebot und damit zu höheren Preisen führen“, warnte der Minister. Deshalb müsse jetzt alles darangesetzt werden, die Versorgungssicherheit in Österreich aufrecht zu erhalten. Nur so werde es auf Dauer leistbare Lebensmittel geben.

Bei den Preistreibern ansetzen

„Fakten statt Vermutung“ sowie zielgerichtete Maßnahmen forderte der Präsident der Landwirtschaftskammer Österreich, Josef Moosbrugger. Angesichts der unvermindert hohen Lebensmittelpreise bei gleichzeitig gesunkenen Erzeugerpreisen für die Landwirte sei klar, „dass die Gewinne ganz woanders hängen bleiben“, so der Kammerpräsident. Deshalb müssten das System der Preisbildung genau durchleuchtet, die wahren Ursachen ermittelt und darauf aufbauende Schritte gesetzt werden. „Das Credo muss lauten: bei Preistreibern ansetzen, anstatt Bauernhöfe wirtschaftlich auszuhungern“, unterstrich Moosbrugger.

Ursache und Wirkung unterscheiden

Der Handelsverband entgegnete, dass man bei der aktuellen Preisdiskussion „Ursache“ und „Wirkung“ unterscheiden müsse. Ursache für die hohen Lebensmittelpreise seien die massiv gestiegenen Energiekosten. Hinzu kämen zum Teil deutlich höhere Personal-, Finanzierungs-, Logistik- und Rohstoffpreise sowie alle indexbasierten Kosten wie Mieten, die in diesem Jahr erstmals voll durchschlügen. Gerade bei Grundnahrungsmitteln gehe die Unterstellung einer „Gierflation“ des Lebensmitteleinzelhandels, wie sie immer wieder in den Raum gestellt werde, völlig ins Leere und entbehre jeglicher Faktenbasis, so der Handelsverband. Um die Teuerung in den Griff zu bekommen, müsse endlich bei der Wurzel angesetzt werden: Wesentliche Kosten- und damit Preistreiber für Haushalte und Händler blieben die Energieversorger.

Zu viele Supermärkte

Dem stimmte die Wirtschaftskammer Österreich zu. „Der Handel ist nicht Verursacher, sondern selbst Betroffener der aktuellen Teuerungswelle“, betonte Christian Prauchner, Obmann des Bundesgremiums Lebensmittelhandel bei der Wirtschaftskammer. Aktuelle Daten zeigten, dass die Lebensmittelbranche ihre eigenen die Kostensteigerungen nur teilweise weitergebe. „Dem Lebensmittelhandel ist es ein großes Anliegen, dass Nahrungsmittel leistbar bleiben“, stellte Prauchner klar. Die Hagelversicherung sieht den Grund für die hohen Lebensmittelpreise in der Tatsache, dass Österreich in Schnitt die höchste Anzahl an Supermärkten in der ganzen Europäischen Union hat. Derzeit kämen 60 Lebensmittelgeschäfte auf 100 000 Einwohner, während es in Deutschland nur 40 seien. Der Erhalt und der Betrieb dieser Verkaufsflächen im Lebensmittelhandel seien gerade auch durch die Energiepreissteigerungen große Kostenfaktoren. AgE

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