Seit 1879 Lebensmittelindustrie und Milchwirtschaft

Totschnig will nationale Lebensmittelproduktion stärken

22. November 2023

Der Ressortchef sieht darin einen entscheidenden Faktor für die Stabilität, Sicherheit und Krisenfestigkeit einer ganzen Gesellschaft. Er strebt einen höheren Absatz regionaler Lebensmittel an.

Foto: pixabay

Österreich hat die Lehren aus den Krisen der Vergangenheit gezogen und will seine eigene Lebensmittelversorgung weiter stärken. Dies kündigt Landwirtschaftsminister Norbert Totschnig im 4. Bericht zur nationalen Lebensmittelversorgungssicherheit an, den er am Freitag (17.11.) im Wiener Ministerrat vorgelegt hat. „Das ist ein entscheidender Faktor für die Stabilität, Sicherheit und Krisenfestigkeit einer ganzen Gesellschaft“, hob der Ressortchef hervor. Laut Totschnig ist aktuell die Versorgung der Bevölkerung mit Lebensmitteln sichergestellt. Die Produktion und der Handel funktionierten ohne Störungen. Allerdings wirkten die hohen Energiekosten, die damit verbundenen Steigerungen der Produktions- und Inputkosten und vor allem die Inflation nach wie vor entlang der gesamten Wertschöpfungskette. Die diesjährige Halmgetreideproduktion Österreichs wird dem Minister zufolge auf rund 3 Mio. Tonnen geschätzt und liegt damit über dem Vorjahresniveau. Die prognostizierte Gesamtproduktion inklusive Mais werde mit 5,36 Mio Tonnen ebenfalls das Ergebnis von 2022 übertreffen. Allerdings seien die Getreidepreise stark zurückgegangen.

Hohe Selbstversorgungsgrade

Totschnig hob hervor, dass die Versorgung mit tierischen Produkten aufgrund des hohen Selbstversorgungsgrades ebenfalls gesichert sei. Österreichs Verbraucher hielten nach wie vor den Bio- und Qualitätsprodukten die Treue. „Aber wir sehen auch hier eine gewisse Zurückhaltung beim Einkauf von höherpreisigem Fleisch“, räumte der Minister ein. Der Selbstversorgungsgrad bei Getreide beträgt laut den angaben im Bericht 87%, während es bei Kartoffeln 90% und bei Wein 100% sind. Besser sieht es im Bereich der Tierproduktion aus. Hier wurde für Schweinefleisch ein Selbstversorgungsgrad von 108% errechnet, für Rind- und Kalbfleisch von 147% und für Trinkmilch sogar von 178%.

Dschungel an Handels-Eigenmarken

Wie aus dem Bericht außerdem hervorgeht, sind die Lebensmitteleinkäufe im ersten Halbjahr 2023 im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 3,5% zurückgegangen. Sie lagen damit sogar leicht unter dem Niveau von vor Beginn der Corona-Pandemie. „Verantwortlich dafür ist einerseits ein höherer Außer-Haus-Konsum nach der Pandemie, aber auch die Teuerung. Wir sehen, dass die Absätze an Qualitätslebensmitteln sinken und der Dschungel an Handels-Eigenmarken wächst“, kommentierte Totschnig diese Zahlen. Ihm zufolge kaufen die Konsumenten zudem teuerungsbedingt vermehrt bei Discountern und Supermärkten anstelle von Direktvermarktern oder dem Fachhandel. „Wenn Österreich auch in Zukunft gut durch Krisen kommen will, muss der Absatz regionaler Lebensmittel erhöht werden. Unser aller Ziel muss sein, dass unsere bäuerlichen Familienbetriebe weiter produzieren und so die Lebensmittelversorgung gewährleisten können“, betonte der Minister. AgE

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