Seit 1879 Lebensmittelindustrie und Milchwirtschaft

Wirtschaft soll Wasserverbrauch um ein Zehntel verringern

von | 13. April 2023

Staatspräsident Macron präsentiert Wasserplan – Mit Ausnahme der Landwirtschaft sollen alle Wirtschaftssektoren ihren Verbrauch bis 2030 verringern – Investitionen in Bewässerungstechnik und Modernisierung bestehender Infrastruktur – Budget der Wasserbehörden wird aufgestockt

In Frankreich hat die Regierung jetzt ihren langerwarteten Wasserplan vorgelegt. Gemeinsam mit Umweltminister Christophe Béchu stellte Staatspräsident Emmanuel Macron das 53 Maßnahmen umfassende Paket am 30.3. bei einem Ortstermin in Savines-le-Lac der Öffentlichkeit vor. Noch in diesem Jahr sollen demnach alle Wirtschaftsteile Möglichkeiten zur Einsparung skizzieren, so dass der Gesamtverbrauch bis 2030 um 10 % verringert wird. Ausgenommen ist die Landwirtschaft. Wie Landwirtschaftsminister Marc Fesneau beim Kongress des französischen Bauernverbandes (FNSEA) erklärte, sollen die derzeitigen Entnahmemengen für die Bewässerung nicht verringert werden. Allerdings müsse die Effizienz der Wasserverwendung gesteigert werden, da der Bedarf zweifellos zunehmen werde. Laut Macron sollen im Rahmen des Wasserplans sämtliche landwirtschaftlichen Neubauten und Modernisierungen an die neuen Realitäten angepasst werden. Beispielsweise ist vorgesehen, die Beratung für Junglandwirte entsprechend zu erweitern. Ferner wird der Staat jährlich 30 Mio Euro bereitstellen, um Investitionen in Praktiken wie die Tröpfchenbewässerung zu fördern. Noch einmal dieselbe Summe soll zur Verfügung gestellt werden, um bestehende Infrastruktur wie Wasserspeicher oder Kanäle zu modernisieren.

Grundwasser besser schützen

Angesetzt werden soll außerdem bei bereits bestehenden Fördermaßnahmen. Vorgesehen ist, in Wasserschutzgebieten die Beihilfen für wassersparende Agrarumwelt- und Klimamaßnahmen sowie den Ökolandbau aufzuwerten; dafür sollen jährlich 50 Mio Euro aufgewendet werden. Verbessert werden soll zugleich der Schutz des Grundwassers. Gemäß dem Plan soll der Einsatz von landwirtschaftlichen Betriebsmitteln in Trinkwasserschutzgebieten weitestgehend verringert werden. Sofern bei Trinkwasser die Grenzwerte für Pflanzenschutzmittel überschritten werden, sollen die Präfekten das Risiko über Auflagen für die Landwirte eindämmen. Außerdem kündigte die Regierung an, bei den Verhandlungen über den Brüsseler Verordnungsvorschlag zur nachhaltigen Verwendung von Pflanzenschutzmitteln (SUR) die Gesundheits- und Umweltrisiken im Zusammenhang mit Trinkwasser verstärkt zu berücksichtigen.

Mehr Brauchwasser nutzen

Deutlich aufgestockt werden die Mittel der Wasserbehörden. Mit zusätzlichen 180 Mio Euro jährlich sollen diese das kommunale Management der Wasserressourcen verbessern und hier insbesondere Leckagen in der Infrastruktur verringern. Schwerpunkte sollen die 170 Gemeinden sein, bei denen Verluste von mehr als 50 % auftreten. Mit weiteren 50 Mio Euro pro Jahr sollen die Behörden die Modernisierung von Kläranlagen voranbringen. Auch die Nutzung von Brauchwasser will die Regierung deutlich ausweiten. Laut Macron sollen in den kommen fünf Jahren insgesamt 1 000 entsprechende Projekte auf den Weg gebracht werden, um bis 2030 mindestens ein Zehntel des Abwassers einer zweiten Nutzung zuzuführen.

Einsparziele aufgeweicht

Zurückhaltend bewertete der Naturschutz-Dachverband FranceNaturEnvironnement (FNE) den Plan. Es handele sich im Wesentlichen um Maßnahmen, die bereits 2019 im Anschluss an die Wasserkonferenzen angekündigt worden seien, so das Fazit des Verbandes. Wichtig sei nun, die entsprechenden Verpflichtungen endlich umzusetzen. Kritisch sieht der Verband, dass der neue Plan hinter den Einsparzielen der Konferenzen zurückbleibt; damals hatte man sich auf 10 % bis 2025 und 25 % bis 2034 verständigt. Auch Maßnahmen wie der verstärkte Einsatz von Brauchwasser waren damals bereits ins Auge gefasst worden. Positiv wertete der Verband Macrons Ankündigungen, die Landwirtschaftsmodelle „neu zu erfinden“ und die Konzepte zur Wasserspeicherung „weiterzuentwickeln“. In diesen Worten sieht FNE allerdings einen starken Gegensatz zur Position der Regierung, die nach Ansicht des Verbandes „systematisch ein auf Produktionsmaximierung ausgerichtetes, industrielles Modell“ unterstützt. Für die Naturschützer ist klar, dass an erster Stelle der Rückhalt des Wassers in der Landschaft und die Speicherung in den Böden stehen muss.

Nachbesserungsbedarf

Reichlich Nachbesserungsbedarf attestierte der kleinbäuerlich orientierte Verband Confédération Paysanne (Conf‘) dem Plan der Regierung. Er spricht sich für eine Priorisierung bei der Bewässerung aus, von der insbesondere der Gemüseanbau profitieren soll. Ferner will der Verband für jeden Betrieb eine Obergrenze bei der Wassernutzung einziehen. Diese soll auf lokaler Ebene festgelegt werden und neben klimatischen und hydrogeologischen Aspekten auch die Art der Produktion und der Anzahl der Beschäftigten einbeziehen.

Keine positive Prognose

Medienberichten zufolge sind die verfügbaren Wassermengen in Frankreich in den vergangenen beiden Jahrzehnten um 14 % zurückgegangen. Bis 2050 seien weitere Einbußen von 30 % bis 40 % zu erwarten. Keine der wissenschaftlichen Prognosen gehe von einer Verbesserung der Situation aus, betonte Macron. Bereits jetzt ist klar, dass in Frankreich auch 2023 in vielen Regionen Dürre herrschen wird. In mehreren Départements gelten bereits jetzt Auflagen für die Wassernutzung. Der Winter war ungewöhnlich trocken und warm. In der Folge konnten sich die Grundwasserreserven vielerorts nicht von der Trockenheit des Vorjahres erholen. AgE

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