Freisetzung gentechnisch veränderter Mikroorganismen

Die Brüsseler Pläne zur Freisetzung gentechnisch veränderter Mikroorganismen (GMM) in die Umwelt halten die Grünen im Europäischen Parlament für zu riskant. Sie versuchen, mit Änderungsanträgen gegenzusteuern. Die Zeit für weitere Diskussionen wird aber knapp, weil die Entscheidungen im Umweltausschuss und im Anschluss im Plenum nach jetzigem Stand bereits für Anfang November angesetzt sind. Und aktuell finden die Pläne im Parlament eine Mehrheit. Das hat Martin Häusling, agrarpolitischer Sprecher der Grünen/EFA-Fraktion, jetzt bei einem Online-Hintergrundgespräch deutlich gemacht.
Gemeinsam mit der Ökologin Prof. Katja Tielbörger, die an der Hochschule Tübingen lehrt und Sprecherin unter anderem der Gesellschaft für Ökologie (GfÖ) ist, warnte Häusling vor einer unkontrollierten Ausbreitung von GMM. Nach einer Freisetzung seien diese nicht mehr rückholbar. Außerdem sei die Vermehrungszeit beispielsweise von Bakterien sehr kurz, weshalb zügig große Mengen an Nachkommen mit verändertem Gensatz entstehen könnten.
Daneben komme es in der Gruppe der Mikroorganismen sehr schnell zum Austausch von Erbinformationen, erläuterte Tielbörger. Damit sei die Ausbreitung der Gene nicht vorherzusehen. Zumal nicht alle Mikroorganismen bekannt seien. Dasselbe gelte für die Interaktionen zwischen Mikroorganismen und anderen Lebewesen. Bei einer Ausbringung von GMM zum Beispiel in der Landwirtschaft schließt die Wissenschaftlerin unter anderem Gefahren für die menschliche Gesundheit und massive Störungen etwa des Bodenmikrobioms nicht aus.
Ruf nach Transparenz
Häusling mahnte, das Vorsorgeprinzip einzuhalten. Sicherheit müsse immer vorgehen. Deshalb dürfe der Plan der EU-Kommission, eine sogenannte Low-Risk-Kategorie für GMM einzuführen, nicht umgesetzt werden. Diese Kategorie, die die Freisetzung gentechnisch veränderter Organismen erleichtern solle, sei ursprünglich für den Einsatz im geschlossenen System der Lebens- und Futtermittelerzeugung eingeführt worden. Für Mikroorganismen sei das Konzept nicht geeignet, weil sie sehr vielfältig seien und zudem großflächig in der Umwelt ausgebracht würden. Daneben lehnt Häusling die geplanten zeitlich unbefristeten Zulassungen für GMM ab. Zulassungen müssten überprüfbar sein. Dazu sei der Aufbau von Monitoringsystemen nötig.
Hoffnung auf vielfältige Anwendungsmöglichkeiten
Vom Einsatz von GMM verspricht man sich in der Landwirtschaft gegenwärtig vor allem eine verstärkte Bindung von Luftstickstoff im Boden und damit einen geringeren Mineraldüngereinsatz. Hierzu laufen unter anderem in Deutschland Forschungsprojekte. In den USA werden entsprechende Produkte bereits in der Praxis genutzt. Daneben gibt es nicht-landwirtschaftliche Forschungsarbeiten, etwa zum Abbau von Polyester durch Bakterien. AgE